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DDR – Geschichte, Opposition und heute?

70 Jahre DDR-Gründung, 30 Jahre Mauerfall, „Wende“ – es gibt viel zu sagen zu dieser Geschichte, auch und gerade von links. Wir haben darum eine bunte und breite Liste mit Büchern erstellt, um das Bild ein wenig aufzufächern. Es geht darin um die die frühen Jahre der DDR, um Alltagsleben, Geschlechterverhältnisse und Opposition, aber auch um die Umbrüche, Wendezeit und die Situation nach 1990.

Hinweisen möchten wir noch auf die zwei Veranstaltungen im Haus der Demokratie in Berlin: die Fotoausstellung „Der kurze Herbst der Demokratie“ und die Konferenz, die die tolle Zeitschrift telegraph am 11. Oktober ausrichtet: „30 Jahre telegraph – 30 jahre linker Journalismus

Wir haben Sachbücher und Romane, kritische Untersuchungen ebenso wie Bildbände versammelt, die die DDR aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick nehmen und so kommen auch die Autor*innen aus verschiedenen Ecken und Bereichen. Die Sammlung soll weder eine „Abrechnung“ noch eine allumfassende oder abschließende Übersicht sein, vielmehr ein kleiner Ausschnitt mit Themen, die uns wichtig erscheinen. Wer uns wegen unserer kritischen Perspektive als Renegaten, Totalitarismus-Anhänger*innen oder BRD-Fans einsortieren will, ist auf dieser Seite schlicht falsch. Wie immer sind wir auf Euer Feedback gespannt.

Euer Links-Lesen.de-Kollektiv

Gründungsgeschichten, Stasi und Feminismus

Beginnen wir mit einer Neuerscheinung: In „Die Moskauer. Wie das Stalintrauma die DDR prägte“ – wirft Andreas Petersen einen Blick zurück bis in die Weimarer Zeit über die NS-Zeit und auf die (De-)Formierung, die deutsche Kommunist*innen unter Stalin erfahren hatten und stellt dies in Beziehung zu den autoritären Strukturen des jungen Staates DDR.
Ebenfalls auf die Nazivergangenheit und den problematischen Umgang mit NS-Verbrecher*innen in der DDR blickt Henry Leide in „NS-Verbrecher und Staatssicherheit„. Er zeigt, dass gegen viele KZ-Täter*innen nie ermittelt wurde und das antifaschistische Image des Staates wahrlich nicht immer der Realtät entsprach – ein mieses Spiel, das in der BRD in anderer Weise, aber in ähnlich üblem Maße gespielt wurde…
Passend dazu „Die braune Saat“ von Harry Waibel über Antisemitismus und Neonazismus in der DDR, eine Spurensuche, die auch bis hin zur rechten Gewalt und Militanz in den 90ern und bis heute führt.
Der Journalist und Geheimdienstexperte Andreas Förster untersucht in „Zielobjekt rechts„, wie die Stasi die westdeutsche Neonaziszene unterwanderte – erhellend!
Zu Geschlechterfragen bietet der Band „Die Wunschkindpille“ einen interessanten Einblick in das Engagement von Frauenrechtlerinnen, Mediziner*innen und Sexualaufklärung in der DDR.
Erst im nächsten Januar erscheint Anna Kaminskys „Frauen in der DDR“ – wir sind gespannt auf diese Recherche!

Eine präzise Beobachterin des Alltagslebens der DDR war die Autorin des Romans „Franziska Linkerhand“ Brigitte Reiman – In „Post vom schwarzen Schaf“ werden Briefe zwischen den Geschwistern aus den 60 Jahren veröffentlicht, die zwischen Rostock, Hoyerswerda und Hamburg geschrieben wurden.
Ein Jahrzehnt später war durchaus von einer Krise der DDR zu sprechen, Biermann wurde ausgebürgert; Karsten Krampitz verarbeitet diese Zeit in „1976„.

Alltagsleben und Subkultur

Im Band „Rädelsführer“ wird eine studentische Oppositionsgruppe in Erfurt beschrieben, die ebenfalls im Jahr 1976 in den Fokus der Behörden geriet.
Über Punk-Sein in der DDR, ihren Fluchtversuch und ihre Stasi-Haft hat Anne Hahn den autobiografischen Roman „Gegenüber von China“ geschrieben – leider nicht mehr bei uns erhältlich, aber antiquarisch oder in Bibliotheken erhältlich.
Leider auch nicht mehr lieferbar, aber es darf nicht fehlen: „Haare auf Krawall„: Portraits von Jugendlichen aus der Punks-Szene in Leipzig, ein großartiges Buch!
Ebenfalls um Subkulturen geht es in „Bye bye, Lübben City“ – in vierzig Beiträgen werden Bluesfreaks und Bluesmessen, Tramps und Hippies in der DDR vorgestellt.
Und in „Stierblutjahre“ bekommt die Kulturszene der 70er und 80er Jahre in den großen Städten ein Gesicht.
Zwei Familiengeschichten und Erinnerungen finden sich bei Maxim Leo in „Haltet Euer Herz bereit“ und bei Franziska Hauser in „Die Gewitterschwimmerin„. In diesen beiden wunderbaren Büchern kommen die (familiären) Auseinandersetzungen zwischen dem Glauben an einen guten Sozialismus und das Aufbegehren oder Enttäuschungen der jüngeren Generation zum Vorschein.
Die Dokumentation „Alles verändert sich, wenn wir es verändern“ ist eine lesenswerte Aufarbeitung über die Aktivitäten der ‚Offenen Arbeit‘ in Erfurt – die hier niedergeschriebenen Reflexionen über Oppositionsarbeit und die enttäuschten Hoffnungen im Jahr 1990 spiegeln wahrscheinlich Erfahrungen vieler Aktiver wieder.
Eine erhellende ostdeutsche, migrantische Sicht auf Sachsen und die beiden Deutschlands vor und nach 1989 gibt es in „Als Weltbürger zu Hause in Sachsen“ von Hussein Jinah zu lesen.
Ebenfalls um Subkulturen geht es in „Bye bye, Lübben City“ – in vierzig Beiträgen werden Bluesfreaks und Bluesmessen, Tramps und Hippies in der DDR vorgestellt.
Und in „Stierblutjahre“ bekommt die Kulturszene der 70er und 80er Jahre in den großen Städten ein Gesicht.
Zwei Familiengeschichten und Erinnerungen finden sich bei Maxim Leo in „Haltet Euer Herz bereit“ und bei Franziska Hauser in „Die Gewitterschwimmerin„. In diesen beiden wunderbaren Büchern kommen die (familiären) Auseinandersetzungen zwischen dem Glauben an einen guten Sozialismus und das Aufbegehren oder Enttäuschungen der jüngeren Generation zum Vorschein.
Die Dokumentation „Alles verändert sich, wenn wir es verändern“ ist eine lesenswerte Aufarbeitung über die Aktivitäten der ‚Offenen Arbeit‘ in Erfurt – die hier niedergeschriebenen Reflexionen über Oppositionsarbeit und die enttäuschten Hoffnungen im Jahr 1990 spiegeln wahrscheinlich Erfahrungen vieler Aktiver wieder.

Weitere Bücher über Opposition, Wendezeit und danach:

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