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30 Jahre Antifa in Ostdeutschland

Perspektiven auf eine eigenständige Bewegung

Anfang Dezember 2017 fand im Freiland in Potsdam eine Tagung statt: „30 Jahre Antifa in Ostdeutschland: Rückblicke, Gegenwart und Diskussion“. Dankenswerterweise wurden auf der guten Homepage viele Materialien zum Thema gesammelt: Links zu Zeitungsartikeln, aber auch alte Broschüren oder Flugblätter zum Download, etwa eine Sondernummer der BesetzerInnenZeitung (BZ) vom 26.11.1992 zum Tod von Silvio Meier.

Begleitend wurde der Band „30 Jahre Antifa in Ostdeutschland. Perspektiven auf eine eigenständige Bewegung“ im Verlag Westfälisches Dampfboot veröffentlicht.

Leseprobe mit Benjamin Paul Siewert auf Radio Corax

Rezension vom apabiz

Rezension Rosa Luxemburg Stiftung

Wir meinen:

Ja, es lohnt sich, dieses Buch zu lesen!

Bewegungsgeschichte zu schreiben ist kein leichtes Unterfangen. Die 12 Beiträge im Band bewegen sich zwischen einem eher akademisch-wissenschaftlichen Tonfall und einer beobachtenden rückblickenden Perspektive. Besonders diese bewegungsnahen Teile sind lesenswert, interessant, zum Teil streitbar – sie können anregendes Material sein für Aktivist*Innen, sich über die eigenen Betrachtungsweisen und Handlungen auszutauschen und sich Fragen zu stellen: Wie hat „der Westen“ auf „den Osten“ geguckt und andersherum? Was davon prägt heute noch? Können die Erfahrungen mancher Ost-Antifa mit geradezu bürokratischen Aufnahmekriterien einer AA/BO als symptomatisch gelten, weil sie in einen „Bevormundungsdiskurs“ gegenüber dem „entwicklungsbedürftigen Ossi“ mündeten? Oder empfanden manche „West-Gruppen“ diese Herangehensweise ähnlich abwegig? Werden solche Erlebnisse wie die Aussage eines Westberliners „Kuba war uns näher als Ostberlin“ vielleicht auch zu gern gepflegten Anekdoten, die weniger lautstarke Erinnerungen an Zusammenarbeit und gemeinsamen Alltag auf Augenhöhe verdrängen? Hierzu wären ein paar mehr Thesen wünschenswert gewesen, die über das reine Beschreiben und Rekonstruieren hinausgehen.

Schöne Beispiele dafür sind die Aufsätze, die den teilweise widersprüchlichen Blick und die Gegnerschaft der DDR-Obrigkeit auf den unabhängigen selbstorganisierten Antifaschismus herausarbeiten oder die Analyse der heute wieder sehr aktuellen räumlichen Präsenz rechter und nicht-rechter Jugendlicher außerhalb der Großstädte.

Es ist viel historisches Material zusammengetragen und aus Perspektive der damaligen Akteur*innen dargestellt worden, über Hausbesetzungen, erinnerungspolitische Arbeit bis hin zu Bündnis-Fragen. Die Aufarbeitung von Interviews zur politischen Bildung wirkt arg gekünstelt arrangiert, als hätten alle Teilnehmenden vorher den Leitfaden für Expert*innen-Interviews lesen müssen. Dagegen liest sich der Interview-Teil zu Geschlechter-Perspektiven auf antifaschistisches Handeln sehr viel lebensnäher.

Sympathisch gestaltet sich der „Versuch einer Rekonstruktion“ darüber, wie das Antideutsche in Ostdeutschland an den Start kam – selten so eine unaufgeregte Darstellung gelesen, die Lust darauf macht, auch noch mal einigen der dort vorgestellten Themen und Fragen auf den Grund zu gehen.

Kauft, Lest, Diskutiert!

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30 Jahre Antifa in Ostdeutschland. Perspektiven auf eine eigenständige Bewegung

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