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Blut-Salz-Wasser

Mit dem düsteren Krimi Blut Salz Wasser der schottischen Autorin Denise Mina hat der  Ariadne Verlag (vor 30 Jahren von engagierten Feministinnen um Frigga Haug gegründet)

den bisher fünften Fall der leicht schnoddrigen Glasgower Ermittlerin Alex Morrow herausgebracht. Der Band schaffte es im Juli 2018 auf Platz 1 der Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur, vielleicht auch motiviert durch die gelungene Figur des kleinen verzweifelten Gauners, der zum Mörder wird, während das dicke Geld woanders verdient wird. Der Krimi spielt rundum das touristisch pittoreske Helensburgh am River Clyde, wohin Iain Fraser nach einer Haftstrafe zurückkommt – und gleich auf den ersten Seiten des Buchs einen Mord begeht, weil sein Boss dies verlangt.

Die Autorin Denise Mina hat in Glasgow an der University Law School studiert – vielleicht gelingt es ihr auch darum so gut, den Ermittlungsalltag und die Polizeiarbeit um vieles besser zu schildern, als manch andere Krimiautor*innen. Ebenso lebensnah beschreibt sie – durch die Erfahrung der vielen schlecht bezahlten Jobs geprägt, die sie vor dem Studium annehmen musste – die Figuren am Rande der Gesellschaft.

Die Ermittlungen von Detective Inspector Alex Morrow kreisen um Geldwäsche und eine vermisste reiche Spanierin. Sie führen von den Villas der Reichen in abgewrackte, fleckige Büroräume, die nur noch der Spekulation dienen: „Sie […] fanden einen kleinen Gemeinschaftsraum mit einem gefüllten Wasserkocher, der auf einem kleinen Kühlschrank brodelte. Drei teefleckige Tassen standen neben dem Wasserkocher aufgereiht, in jeder hing ein einsamer Teebeutel zusammengesackt in einer Pfütze Milch“ (S.231)

Das Bild eines zusammengesackten Teebeutels könnte kaum besser auf die Figur des Iain Fraser zutreffen, denn neben der Ebene der Polizeiermittlungen folgen wir als Leser*innen der Gedankenwelt dieses Mörders, den seine Tat nicht mehr los läßt, obwohl er doch so gern einfach nur seine Ruhe hätte und seinem Freund mit etwas Geld helfen möchte.

Frasers Leiden an dieser Tat beschreibt Mina in einer Mischung aus Einfühlsamkeit und brutaler Direktheit – und der Krimi lebt eher von der Beschreibung des langsamen Zerbrechens von Iain Fraser, als von einem klassischen Whodunit. Durch Nebenfiguren und anhand von Schauplätze wie dem neu eröffneten Öko-Sojamilch-Café bekommen die sozioökonomischen Veränderungen der schottischen Kleinstadt-Gesellschaft ein Gesicht – nein, viele Gesichter: diejenigen der Gewinner*innen und Verlierer*innen, denn Geld wird nicht nur gemacht, sondern gewaschen, vor dem Fiskus versteckt, gut investiert, vermehrt – und auf der anderen Seite verloren…

Die schottische Polizei, in der Morrow nur ein kleines Licht ist, will unbedingt auf die Spuren des verschwundenen Geldes kommen, um es selber sicherzustellen, damit es nicht den Budgets anderer Polizeiinspektionen zugewiesen wird. Also muss die britische über­geord­nete Metro­poli­tan Police möglichst herausgehalten werden. Hier gelingen Denise Mina herrlich böse Schilderungen dieser ganz eigenen Welt polizeiinterner Machenschaften, der frauenfeindlichen Verhaltensweisen, aber auch der komplexen Beziehungen zu Chefs und Untergebenen.

Passend dazu bleibt auch am Ende des Buches und mit Abschluss der Ermittlungen eher der Geschmack abgestandenen Tees und viel Ernüchterung zurück – Gerechtigkeit ist kaum jemandem getan worden, nichts ist wieder gut im schottischen Helensburgh, noch nicht mal der Tee…

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P.S. Denise Mina war auch an der Graphic Novel The Girl with the Dragon Tattoo beteiligt, das die Krimi-Trilogie des schwedischen Antifaschisten Stieg Larsson neu bearbeitet hat – die Hackerin Lisbeth Salander dürfte allen bekannt sein. Weniger bekannt ist vielleicht, dass der Originaltitel des ersten Bandes (deutsch: „Verblendung“) lautete: „Männer, die Frauen hassen“

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