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Bittere Schokolade

Tom Hillenbrands Krimis:

Bereits seit 2011 lässt Tom Hillenbrand den Luxemburger Koch und Restaurantbesitzer Xavier Kieffer in seinen kulinarischen Krimis regionale Spezialitäten zubereiten und in internationalen Kriminalfällen ermitteln. Bisher sind sechs Bände erschienen und Hillenbrand hat eine feine Schreibe, die er auch in seinen Sci-Fi Romanen (u.a. dem äußerst lesenswerten „Drohnenland“) unter Beweis stellt.

Am Ende eines jeden Bandes findet sich ein Glossar, welches den Leser*innen Luxemburger Spezialitäten übersetzt und näherbringt. Dort und im Buch ist viel die Rede von Bouneschlupp (Bohneneintopf), Gromperekichelcher (Kartoffelpuffer) sowie Huesenziwwi (Hasenpfeffer) u.a. die Rede. Die Handlungen sind nicht plump, die Charaktere nicht eindimensional und die Stories – für Krimis – plausibel. Nicht gerade überraschenderweise dürften eine*r*m die Reihe noch besser gefallen, wenn mensch gutes Essen mag.

Kieffer ist dem Stress der Sternenküche entflohen und führt ein kleines aber feines Restaurant in Luxemburg. Aufgrund der zahlreichen Verwicklungen in kulinarische Ermittlungen kommt das Betreiben des Restaurants hie und da etwas zu kurz, aber in jedem Band ist es der ruhende Pol im wogenden Geschehen. Im Mittelpunkt steht meistens ein bekanntes Nahrungsmittel (u.a. Olivenöl, Kakao, Thunfisch) und wie die weltweite Nahrungsmittelindustrie die Inwertsetztung und Profitmaximierung ohne Rücksicht auf Menschen und Umwelt betreibt.

Kieffers Sidekick ist die toughe Herausgeberin des nur knapp maskierten Guide Michelin Valérie Gabin, mit der er nicht nur die Liebe zu gutem Essen teilt, sondern auch eine Fernbeziehung führt und eine gemeinsame Leidenschaft für nicht industriell hergestellte Lebensmittel. Kieffer ist für einen modernen Krimiprotagonisten erstaunlich oldschool, kann mit Computern ebensowenig anfangen wie mit digitalen Musikportalen wie Spotify und ist froh, mit seinem Mobiltelefon halbwegs zurechtzukommen.

Dem 1972 geborenen Autoren Tom Hillenbrand sei es auf jeden Fall verziehen, wenn er seiner ca. zehn Jahre älteren Hauptfigur musikalische Vorlieben andichtet, die erkennbar seine eigenen oder die anderer aus seiner Generation sind. Hie und da werden interessante Einzelheiten über die Luxemburger Gesellschaft eingeflochten, wie z.B. die im Verhältnis zur Einwohner*innenzahl größte portugiesische Community weltweit. Ein auch stets wiederkehrendes Ereignis ist die schöne Begebenheit, dass als Counterpart zu Kieffer, Gabin und ihren Ermittlungen stets ein – ebenfalls nur notdürftig kaschierter – Schweizer Lebensmittelmulti immer in der Rolle des Bösen agiert.

Insgesamt sehr lesenswerte Krimis mit einem gewissen Anspruch. Die Gewalthandlungen halten sich – speziell mit den meisten skandinavischen Krimis verglichen – im Rahmen, ebenso das Machotum und die „Superfähigkeiten“ des Protagonisten.

Links-Lesen.de-Kollektiv im Mai 2020

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