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Toxische Männlichkeit – Bücher dagegen

Hier gibt es Buchtipps zu toxischer Männlichkeit – wir könnten auch sagen Buchtipps zum Patriarchat, zu Sexismus, zu Männergewalt. Der Begriff der toxischen Männlichkeit gefällt uns aber recht gut. Besonders gut gefällt uns, dass es inzwischen einen ganzen Schwung Bücher zu diesen Themen gibt, die von Männern geschrieben worden sind. Wir wünschen Euch allen gutes Schmökern und erkenntnisreiche Lektüre! Euer Links-Lesen.de-Team

Der britische Autor Jack Urwin hat mit seiner 2017 auf deutsch erschienenen Essaysammlung „Boys don’t cry“ die Begrifflichkeit der ‚toxischen Männlichkeit‘ in unsere Debatten eingeführt. Das Buch, zu dem ihn Laurie Penny gedrängt haben soll, empfiehlt sich sowohl als Einstieg, aber wir empfehlen es allen, die einen nicht akademischen oder biografischen Zugang zum Thema suchen, denn der Band vom Nautilus-Verlag ist vor allem eine sehr persönliche kritische Auseinandersetzung mit Männlichkeit.

Klaus Theweleit hingegen kommt aus einer zum Glück schon etwas länger existierenden Tradition der Kritischen Männlichkeitsforschung, bei ihm sozialpsychologisch und historisch fundiert mit besonderem Fokus auf den Nationalsozialismus und militaristische Sozialisation – danke an Matthes&Seitz für die tolle Neuauflage 2019 von „Männerphantasien

Es gibt aber auch neue Publikationen, wie „Sei kein Mann: Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist“ von J.J. Bola – eine autobiografische Auseinandersetzung mit Rassismuserfahrungen, Männlichkeit und Klassenherkunft, die er 2019 auf englisch unter „Mask off“ veröffentlichte. Toll lesbar, weil authentisch und aus seiner heutigen Perspektive als Straßensozialarbeiter geschrieben, auch passend für Jüngere.

Mit „Prinzessinnenjungs. Wie wir unsere Söhne aus der Geschlechterfalle befreien“ versucht auch Nils Pickert einen pädagogischen Ansatz zu vermitteln, den er als patriarchats-sensibilisierter Vater versucht umzusetzen.

Der Däne Jens van Tricht, der im Christoph Links-Verlag „Warum Feminismus gut für Männer ist“ veröffentlichte, war in den 80ern in der Amsterdamer Hausbesetzungsszene aktiv, wo er auf Feministinnen traf, die ihn offenbar schwer beeindruckten. Die Erfahrungen und Diskussionen dieser Zeit entwickelte er weiter und versucht mit dem Buch, auch Männer von der Schädlichkeit von Männlichkeit zu überzeugen, gerade auch gegen einen aktuell spürbaren Backlash…

In der Reihe „#dkkontrovers“ erschien dieses Jahr „Ist Männlichkeit toxisch?“ von Andrew Smiler, der als Psychotherapeut mit Jungen und Männern arbeitet. Die Publikation kommt als Handbuch daher, das in kleinen Abschnitten und Textbausteinen die Debatte anschaulich machen und zur Diskussion anregen will.

Gleich drei neue Bücher – alle geschrieben von Frauen – beschäftigen sich mit der Incel-Bewegung, den ‚unfreiwillig zölibatär Lebenden‘ (involuntarily celibate). Hier gilt es, die dort zahlreich vorhandenen Akteure des Antifeminismus zu identifizieren und den massiv propagierten Frauenhass und die Ideologie der Misogynie zu entlarven. Das gelingt Veronika Kracher im guten Ventil-Verlag mit „Incels. Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults“ als pointiert feministische Anklage und politische Analyse mit Fokus auf die patriarchale und männerrechtliche Mobilmachung. Auch Susanne Kaiser begibt sich mit „Politische Männlichkeit. Wie Incels, Fundamentalisten und Autoritäre für das Patriarchat mobil machen„, erscheint bei Suhrkamp, auf eine unappetitliche Recherche in konservativ-fundamentalistische, rechte und frauenfeindliche Kreise und versucht hier einen Überblick zu geben. Bisher nur auf englisch liegt „Men Who Hate Women. From incels to pickup artists, the truth about extreme misogyny and how it affects us all“ von der britischen Feministin Laura Bates bei Simon & Schuster vor – die Autorin hatte ein Website-Projekt gestartet, auf dem Sexismuserfahrungen gesammelt werden und begibt sich mit der aktuellen Veröffentlichung unter anderem in die Abgründe der widerlichen Pickup-Artist-Szene.

Schon etwas älter ist der Beitrag „Der weiße Mann. Ein Anti-Manifest“ des deutsch-italienischen Philosophen Luca Di Blasi – ein aus der Perspektive eines weißen Mannes geschriebenes Buch, das über eben diese Rolle eines weißen Mannes nachdenkt und dies als eine privilegierte und häufig ‚unmarkierte‘ Position denkt. In wissenschaftlich-philosophischer Manier wird hier einiges über Intersektionalität und bröckelnde Privilegien theoretisiert, was Feminist*innen und Antirassist*innen bereits vielfach durchdeklinierten – als männerkritisches Manifest darf es hier aber nicht fehlen, zumal er Bezüge zum misogynen Terrorismus herstellt.

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