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Buchempfehlungen 2018

Liebe Leute, liebe LinksLesende,

seit fast einem Jahr betreiben wir Links-Lesen.de mit viel Spaß – wir hoffen, es gefällt Euch!
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Manchmal klappt aber auch etwas mit dem Buchversand nicht: wir wissen, wie blöd es ist, wenn Sendungen gar nicht ankommen, Benachrichtigungen untergehen oder Bücher als unzustellbar zurückgeschickt werden. Arbeitsdruck und Hetze im Arbeitsalltag vieler Zusteller*innen werden einigen Anteil daran haben. Wir sind dagegen letztlich machtlos und können Euch nur immer wieder auffordern, auf gute leserliche Bezeichnungen an Euren Briefkästen und Klingelknöpfen zu achten oder das Paket an Packstationen senden zu lassen…

und: Arbeitskämpfe im Logistikwesen zu unterstützen! Wir verweisen hier gern auf das Arbeiterlied „Lied der Versandsoldaten“ von Jan Böhmermann über Paketzusteller*innen : „Wenn Sushi an der Türe läutet, werden Menschen ausgebeutet!

Kommen wir zu schöneren Themen: Büchern!

Hier unsere Empfehlungsliste, wenn Ihr Geschenke für Eure Lieben sucht, Euch selber was wünschen wollt oder gerade schon den Urlaub 2019 gebucht habt und Euch einstimmen wollt. (Der Vorteil eines Online-Büchershops ist im übrigen auch, dass Ihr die Versandadresse selber festlegen könnt und somit Leuten an anderen Wohnorten mit einem Buchpaket überraschen könnt.) Ihr findet hier einiges, das wir selbst gelesen haben und das uns bewegt hat, und manches, das wir auch schon über Twitter oder unsere Kategorien und Empfehlungsseiten gefeaturet haben.

Berlin-Bücher:

Berolinas zornige Töchter – 50 Jahre Berliner Frauenbewegung“ – ein neues Buch von Annett Gröschner, herausgegeben vom FFBIZ.

Eine Sammlung feministischer Bewegungen in Berlin Ost und West, die von autonomen Ansätzen bis hin zu Gesetzesreformen reicht, ergänzt durch Abbildungen von Plakaten, eine Chronik und einen Stadtplan mit Schauplätzen. Dieses Buch ist leider über unseren Online-Shop nicht zu bestellen – aber auf die Seiten des FFBIZ zu gehen ist wahrlich nicht das Verkehrteste – holt Euch das Buch hier beim FFIZ

Auch im Buch „Berlin – Stadt der Revolte“ vom Christoph Links Verlag kommen feministische Aktionen vor, aber es ist eine breiter aufgestellte Chronik über rebellische Momente in Berlin Ost und West seit den 60er Jahren. In unserer Rezension schrieben wir:

Die Autoren treffen meist einen guten Ton, die Ernsthaftigkeit und das emanzipative Moment werden empathisch eingefangen, auf beiden Seiten der Mauer („die Straße kochte und ich bin hinter der Mauer!“). Aber auch Sackgassen oder Misserfolge finden Erwähnung sowie Lebenswege, die im Drogenrausch enden (zur Rezension). Ein Buch also für Neu- und Alt-Berliner*innen oder jene, die dort mal gewohnt und mitgemischt haben.

NSU-Prozess:

Im Jahr 2018 ist nach 3 langen Jahren der NSU-Prozess zu Ende gegangen. Dass damit die Aufarbeitung noch lange nicht zu Ende sein darf und noch viele Finger in offene Wunden gelegt werden müssen, ist klar. Um dies weiter zu betreiben und sich die offenen Fragen immer wieder zu vergegenwärtigen, möchten wir Euch drei Bücher ans Herz legen:

– „Ende der Aufklärung. Die offene Wunde NSU“ vom kritischen Journalisten und Geheimdienstexperten Andreas Förster, hrsg. von Klöpfer und Meyer. Hier wird vieles von dem aufgeführt, was im Prozess keine Rolle spielen sollte: Vertuschungen und Verstrickungen von Polizei und Staatsschutz und Sicherheitsbehörden in eine jahrelange rassistische rechtsterroristische Mordserie.

– „Der NSU Prozess. 5 Bände. Das Protokoll, Beweisaufnahme I-III, Plädoyers und Urteil, Materialien“. In diesem Bücherpaket finden sich die Mitschriften, die Annette Ramelsberger und das Prozessbeobachtungs-Team der Süddeutschen Zeitung über die langen Jahre getätigt haben – ein historisches Dokument, um nichts dem Vergessen zu überlassen.

Kostet eine Stange Geld, kann aber neben der 2014 erschienenen Spurensuche:

– „Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU“ von Dirk Laabs zusammen mit Stefan Aust als Standardwerk gelten. Wer nocheinmal die genauen Hintergründe der Mordserie, die Netzwerke der Naziszene und die Ermittlungskatastrophen der Behörden nachlesen möchte, ist hier genau richtig.

Zum Thema Feminismus…

…wollen wir Euch unbedingt die französische Autorin Virginie Despentes ans Herz legen. „KingKong Theorie“ ist ein autobiografisches Pamphlet der wütenden Feministin Despentes: eine schonungslose, mal bittere, mal souveräne Anklage gegen Patriarchat, gegen althergebrachte und immer wieder neu bespielte Geschlechterverhältnisse und gegen den Kapitalismus. Wir haben es hier rezensiert. Ihre drei Romane „Das Leben des Vernon Subutex“ die mittendrin in den gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen in Frankreich spielen, legen wir Euch ebenfalls sehr ans Herz.

Ähnlich wie Virgine Despentes ist auch die Französin Annie Ernaux mit ihrem neuen Buch „Erinnerung eines Mädchens“ auf den Bestsellerlisten angekommen – viele entdeckten sie durch Eribon, der sich sehr positiv auf ihre Ausführungen über ‚Klassendistanz‘ und ihre Reflexionen über den Ausbruch aus einem einfachen Milieu äußerte. Wir möchten nochmal besonders ihr früheres Buch empfehlen:

Die Jahre“ über ihre Kindheit in Nordfrankreich in der Nachkriegszeit, Algerienkrise und das Massaker an Algeriern in der Seine 1961, ihre universitäre Karriere, Emanzipation und Mutterschaft, aber auch Frankreich unter de Gaulle bis Mitterrand sowie der Aufbruch von 68 und das Globalisierungszeitalter werden beschrieben – immer im Wechsel zwischen dem Blick aufs kollektive Ganze und auf das Individuum mittendrin in einer ganz spezifischen Epoche.

Ebenfalls autobiographisch ist die Graphic Novel „Pirouetten“, in der die in Texas aufgewachsene Tillie Walden von der Entdeckung ihrer Homosexualität, ihrem Coming-Out und dem Aufbruch aus der ihr bis dahin Heimat gewesenen professionellen Eiskunstlauf-Szene erzählt – eine Pubertäts- und Emanzipationsgeschichte, toll gezeichnet und politisch hoch spannend.

Und als Comic ist natürlich „Der Ursprung der Welt“, die liebevoll und überraschend gezeichnete Kulturgeschichte der Vulva von der schwedischen Politikwissenschaftlerin und Künstlerin Liv Strömquist ein guter Tip für Weihnachtsgeschenke (und im übrigen einer unserer Bestseller!)

Auch von Strömquist und ähnlich prima: „Ursprung der Liebe

Eine – diesmal italienische und nicht autobiographische – Familiengeschichte, in der die oft verdrängte Kolonialgeschichte Italiens im Abessinienkrieg von 1935-36 verhandelt wird, ist Francesca Melandris:Alle außer mir. Eine Lehrerin in Rom wird sowohl mit unerwarteter Familien-Vergangenheit als auch mit aktuellen Situationen der Geflüchteten heute konfrontiert. En passant wird die Korruption innerhalb des italienischen Parteienapparates beschrieben und der Zusammenbruch dieses Systems Anfang der Neunzehnhundertneunziger Jahre. Zum intensiven Ein- und Abtauchen in italienische Geschichte (nicht nur) am Strand geeignet.

Romane zum Selber-drin-Eintauchen oder Verschenken:

Die US-amerikanische Feministin Susan Faludi (Autorin von „Backlash“) begibt sich in: „Die Perlenohrringe meines Vaters“ auf die Spuren ihres Vaters, dem alten gewalttätigen Macho, der sie mit seiner Geschlechtsumwandlung völlig überraschend trifft, ausgerechnet im heutigen Ungarn unter Victor Orban. Transsexualität, Familiengeschichte, Judentum und Antisemitimus – von einer großartigen Schriftstellerin sehr persönlich ausformuliert.

Wer etwas mehr SciFi mag: in „Kryptozän“ mischt die in Argentinien geborene Autorin Pola Oloixarac Kryptographie, Hacker-Szene, Naturforscher und allerlei (sub-)kulturelle Momente zusammen – heraus kommt ein rasanter apokalyptischer Roman.

Inger Maria Mahlke bekam für „Archipel“ den Deutschen Buchpreis – und wir denken, die Geschichten, die sie erzählt, lohnen sich durchaus auch für Linke zu lesen. Ausgehend von einer Familie auf den Kanaren wird europäische Gesellschaftsgeschichte erzählt, politische Situationen, soziale Beziehungen, Klassenverhältnisse. Der Deutschlandfunk schreibt: „Sie traut ihren Lesern zu, die großen Zusammenhänge von Kolonialismus, Faschismus und Klassenkampf zu begreifen“ – na dann!

A propos Faschismus…

… für einige aus unserem Kollektiv ist das Buch „Das Verschwinden des Josef Mengele“ von Olivier Guez das ‚Buch des Jahres‘, um mal einen Superlativ zu bemühen… Dem Wissenschaftler und Journalisten Guez ist mit diesem Tatsachenroman eine schwer zu bewältigende Herausforderung gelungen: eine monströse Figur wie den KZ-Verbrecher Mengele in all seiner Banalität zu zeigen, ohne es sich damit allzu leicht zu machen – beeindruckend! Die Recherchen zu Mengeles Aufenthaltsorten auf seiner Flucht durch Lateinamerika, zu Helfer-Strukturen und alten und neuen Nazi-Netzwerke waren akribisch und lesen sich spannend wie erschütternd. Aber Guez gibt auch Perspektiven einiger seiner Opfer Platz und somit wird das Werk zu einem Buch, das man einerseits nicht mehr weglegen kann, andererseits ist es kaum aushaltbar, alles ohne Innehalten zu lesen…

Wer oder welche an diesem Thema Interesse hat, kommt nicht darum herum, „Deckname Adler. Klaus Barbie und die westlichen Geheimdienste“ zu lesen – eine weitere dieser Geschichten vom Untertauchen alter Nazis und wie NS-Verbrecher geschützt wurden, wenn es der Wirtschaft, der Diplomatie oder Geheimdienstinteressen nutzte. Ein Teil deutscher Geschichte, den (nicht nur) Antifaschist*innen niemals vergessen dürfen!

Glücklicherweise ist dazu auch noch ein weiteres ganz neues Werk erschienen: „Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte NS-Täter“ von Felix Bohr. Aus der Verlagsankündigung: „Felix Bohr zeichnet das westdeutsche Engagement für die im Ausland inhaftierten NS-Täter nach. Er zeigt, wie sich aus Netzwerken von Kirchenverbänden, Veteranenvereinigungen und Diplomaten eine einflussreiche Interessenvertretung formierte, die rechtliche und materielle Hilfe leistete“ – könnte vielleicht für etwas lebhaftere Diskussionen am Familienweihnachtstisch sorgen…

Kommen wir zu positiveren Themen:

Heutige Zeiten und Kämpfe:

Für die aktivistisch Tätigen und Interessierten sind aus unserer Sicht drei Bücher dieser Saison unverzichtbar oder auch gute Geschenkideen (weitere findet Ihr natürlich in unseren Kategorien, z.B. „Stadt- und Bewegungsgeschichte“)

Zunächst zu „Fighting for spaces, Fighting for our lives: Squatting Movements today“: Das Squatting Everywhere Kollective, hat bei edition assemblage eine Sammlung von Texten aus dem ‚Besetzungs-Wesen‘ herausgegeben. Hier sind Erfahrungen eingeflossen aus verschiedenen Ländern von Brasilien bis hin zu Australien, aber auch zu unterschiedlichen Aspekten wie lokale Einbindung von besetzten Häusern, kollektives Leben und Wohnen in squats aber auch Umgang mit Repression und Schwierigkeiten.

Das war der Gipfel“ – ein Lesebuch für alle, die in Hamburg im Sommer 2017 beim G20-Gipfel vor Ort waren oder einfach nachlesen wollen, was die Pressegruppe, die Blockadefinger, die Familie, die vor Ort zunächst nicht zelten durfte, hier berichten. Diese und viele viele mehr Stimmen sowie eine reichhaltige Bebilderung machen das Buch von Assoziation A zu einem must-have im autonomen Bücherregal.

Wir finden außerdem, „Sisters in Arms. Militanter Feminismus in Westdeutschland seit 1968“ von Katharina Karcher, Dozentin an der Fakultät für Deutsch der Universität Bristol, gehört in euren Bücherschrank! Bewegungsgeschichte, nicht nur aus offiziellen Quellen, sondern geschrieben nach Interviews mit aktiven Frauen aus der (militanten) Frauenbewegung und nach vielen Recherchen auch in kleinen freien Archiven – das gehört gekauft, gelesen, verschenkt.

Kinder- und Elternbücher

Kinderbücher müssen nicht immer quietschbunt und niedlich sein. Wir empfehlen

Punkte“ für Kinder ab 4 Jahre: Mit vielen vielen kleinen Punkten die Welt bzw. Ungerechtigkeiten der Welt kindgerecht erklären – das versucht dieses graphisch faszinierende Bilderbuch. Flucht und Migration sowie Arm und Reich werden durch Ansammlungen von Punkten dargestellt. Vielleicht manchmal etwas zu vereinfacht, aber wenn Opa damit anfängt, das Boot sei voll, dann einfach beherzt noch ein paar Seiten ans Buch ankleben und mit vielen vielen Punkten füllen…

Auch „Stadt am Meer“ vom Aladin-Verlag ist ein ungewöhnliches Kinderbuch. Das unbeschwerte Kind-Sein und das anstrengende Leben des Vaters in der Kohlemine wird in großartigen Bildern nebeneinander gestellt, nicht geschönt, aber beeindruckend erzählt und anregend für Eltern-Kind-Gespräche nach Feierabend:

Das Bilderbuch „Freunde“ hingegen ist farblich ein Knaller und Hingucker – inhaltlich geht es um Freundschaft unter bunten Monstern, gemeinsam durch dick und dünn gehen und sich nach Streit wieder vertragen – schön zum gemeinsam angucken und über Monster phantasieren…

Für Kinder ab etwa 8 ist unser Tipp „Das Liebesleben der Tiere“ – amüsant und überraschend, ganz und gar nicht belehrend, ein großer Spaß beim Blättern, Entdecken und Kichern.

The Mamas and the Papas. Reproduktion, Pop & widerspenstige Verhältnisse“ vom Ventil-Verlag – das ist unser Tipp für alle werdenden Eltern, deren WGs und Freund*innen. Hier schreiben linke Familien, Mütter und soziale Väter aus Hausprojekten und Leute in allerlei anderen Wohn- und Lebenskonstellationen über Grenzen und Möglichkeiten von Erziehung und Feminismus, über die leidige Verteilung von (Reproduktions-)Aufgaben, über Muttermythen und Medizintechnik.

Ansonsten empfehlen wir linken (werdenden) Eltern oder Bezugspersonen für Kinder den einfühlsamen politischen Roman „Kamtschatka“. Marcelo Figueras läßt ein regimkritisches Paar mit ihrem Sohn den Beginn der argentinischen Militärdikatur erleben und erzählt auf sowohl anrührende als auch tragikomische Art vom Versuch der Eltern, die veränderte Situation von Untertauchen und Gefährdung für ihr Kind lebbar zu machen.

Und wer bzw. welche den Satz „Du kannst einfach viel besser und schneller putzen als ich…“ zu oft gehört hat und nochmal herzhaft in Beziehungsdiskussionen über Reproduktionsarbeit einsteigen einsteigen will, der empfehlen wir: „Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist. Geschlechterkonflikte in Krisenzeiten“ von den kritischen Soziologinnen Cornelia Koppetsch und Sarah Speck

Ein ermutigendes Beispiel, als Roman über den Umgang mit der Krise in Spanien verpackt, hat Almudena Grandes geschrieben, die wir sowieso sehr gerne lesen. Ihr neues Werk heißt „Kleine Helden“ und spielt in Madrid, wo sich Leute verschiedener Schichten und Herkünfte zusammen schließen, um den wirtschaftlichen Nöten gemeinsam zu begegnen und kollektiv gegen die Verschlechterung der Gesundheitsversorgung vorzugehen.

Klassiker zum Abschluss:

Wir vom Kollektiv Links-Lesen.de haben natürlich ganz am Ende auch noch (unsere persönlichen) Klassiker auf Lager, die so zeitlos wie gut sind:

Sebastian Haffner: „Die deutsche Revolution 1918/19“ – liest sich besonders gut im Jahr 100 nach der deutschen Revolution 1918/19:

Heinrich Mann: „Der Untertan

ist ebenso ein Buch, das Linke gelesen haben müssten – nicht nur, aber auch und gerade in Zeiten von AfD-Aufstieg und Rechtsruck. Auch das Cover ist dem Verlag hier hervorragend gelungen…

Oben schrieben wir schon von Arbeiterliedern – auch aufhören wollen wir damit und zwar mit der schönen Biographie von Ernst Busch aus dem Aufbau-Verlag: „Er rührte an den Schlaf der Welt. Ernst Busch“.

– danach kann nichts mehr kommen…!

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