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Neujahrsbuecher – Riot, don’t diet!

Gute Vorsätze zum Neuen Jahr? Fasten? Diät? Körper fit machen zum besseren Funktionieren???

Nicht bei uns – wir stellen Euch Bücher für das gute Leben vor: Bücher gegen den Schönheitswahn (der vor allem, aber nicht nur Frauen betrifft), Bücher, die sich mit gutem Essen und Trinken beschäftigen, das eine oder andere kulturhistorische Werk zum Thema Ernährung und Gesellschaft/Geschichte.

2019 ist da – legt los, haut rein – hoch die Tassen! Riot, don’t diet! 

P.S.: Einige von uns geschätzte Kochbücher und zum reinen Vergnügen ein paar kulinarische Krimis erwarten Euch dann als Empfehlungen im kalten Februar, schaut vorbei!

Statt ständig auf Kalorien zu achten empfehlen wir, sich mit Laurie Penny: „Fleischmarkt“ auf’s Sofa zu verkrümeln: Fleischmarkt versucht, einige der Strategien aufzuzeigen, mit denen Frauenkörper entmachtet und kontrolliert werden. In Kapiteln zu Sexualität, Prostitution, Essstörungen, Konsum und Hausarbeit etwa werden Faktoren dargestellt, die für den Handel mit dem weiblichen Fleisch als sexuelles und soziales Kapital von Bedeutung sind. Laurie Penny kennt die Theorien ihrer Vorkämpferinnen, aber sie berichtet von der Front der heutigen Verwerfungslinien und Grabenkämpfe: Riot, don’t diet!

Auch „Trinkende Frauen“ ist ein gelungener Start ins Neue Jahr – Frauen schreiben über ihre Erlebnisse mit Alkohol – schnappt Euch also Euer Lieblingsgetränk und schmökert los, am Küchentisch oder gleich in der Kneipe!

Vom Wiener Mandelbaum-Verlag kommt unser Vorschlag über „Hedonismus“. Angesichts von historischen und aktuellen Problemen – seien es Krankheit, Alter, Tod, Industrienahrung und Massentierhaltung, Stress und Arbeitsüberlastung, Werbung und Desinformation – stellt sich dringend die Frage, wie man „gelungene Tage“ gestaltet. Damit ist ganz wesentlich die Frage nach einem guten und glücklichen Leben angesprochen. Die Beiträge zeigen historische, soziologische, psychologische und philosophische Lösungsansätze und damit Wege zu einer verantwortungs- wie auch genussvollen Existenz.

In „Die Philosophie des Kochens“ schreiben sechzehn Autoren – darunter Köche, Food-Aktivist*innen, Journalist*innen, Blogger*innen, Gastrokritiker*innen, Wissenschaftler*innen – über den besonderen Moment und definieren dabei ihre Philosophie des Kochens. Wir erfahren, welch evolutionären Einfluss das Kochen von Speisen auf die Menschheit hatte, lernen mehr über die Wahrnehmung von Geschmack und über die Fähigkeit, darüber auch sprechen zu können. Und wir verstehen, was nachhaltiges und regionales Kochen mit Einfachheit zu tun haben kann, wann Kochen politisch wird und warum die vegane und vegetarische Küche in aller Munde ist.

Im fiktiven Bändchen „Durrutis Köchin. Aufzeichnungen aus dem Spanischen Bürgerkrieg“  gibt es Historisches aus der Zeit der Kämpfe gegen die Franco-Faschisten, gewürzt mit Rezepten, Beobachtungen und vor allem einer Haltung, die die Protagonistin Nadine verkörpert: die Hoffnung auf eine andere, freiere Gesellschaft und die Bereitschaft, dafür entgegen aller Schwierigkeiten zu kämpfen – was in diesem Fall auch hieß, unter widrigen Bedingungen eine sogar schmackhafte und nahrhafte Essensversorgung für die republikanischen Brigaden auf die Beine zu stellen – ein Hoch auf die (revolutionären) Köchinnen!

Das Bilderbuch „Gedichte und Gerichte“, das gleichzeitig ein Kochbuch ist, möchten wir Euch besonders ans Herz legen.  Es zeigt die Zusammenkünfte der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano mit vielen Freund*innen, denen sie sowohl Gedichte widmete, die sie aber auch mit leckeren Gerichten verwöhnte. Zur Hand hat sie dabei ein eigenes Kochbuch mit vielen selbst ausgewählten Rezepten. Zwei befreundete Köche, Cristian Orellana, Maître de Cuisine der „Cantina Popular“, und Onur Elci (mit seinem Team) von der „Kitchen Guerilla“ in Hamburg sind Esther Bejarano in freundschaftlicher Zuneigung verbunden. Sie haben die schwere Aufgabe übernommen, Variationen ihrer Rezepte für das vorliegende Buch aufzuschreiben, die vor Esthers kritischem Blick und Geschmack Bestand haben… Wir wünschen Esther Bejarano, dass sie möglichst noch lange Zeit das Leben und ihr Überleben feiern kann!

Der Band „Küche der Erinnerung. Essen und Exil“ stellt eine Beziehung zwischen der Verfolgung durch den NS-Terror und der Bedeutung von Kochen, Essen und Exil her. Die Geschichte von NS-Verfolgung und -Vertreibung 1938 bis 1945 ist nicht zuletzt eine Geschichte von Hunger und Mangel, von Verlust und Befremdung, aber auch von Überlebensstrategien und Neuorientierung. In vielen Dokumenten des Exils werden Kochen und Essen als stabilisierende Momente beschrieben. Speisen und ihre Zubereitung können Emotionen und kollektive Erinnerungen an eine Vergangenheit vor der Vertreibung wachrufen, sie erweisen sich als „Gedächtnis- und Sehnsuchtsorte“.

Der schöne Wagenbachverlag hat mit dem Titel „Allegro ma non troppo. Die Rolle der Gewürze und die Prinzipien der menschlichen Dummheit“ eine eher amüsante kleine Studie über die menschliche Dummheit herausgebracht. Der italienische Wirtschaftshistoriker Cipolla (ja, er heißt wirklich so…) weist in einem ausgefeilten Argumentationssystem nach, daß der Pfeffer die treibende Kraft in der wirtschaftlichen Entwicklung des Mittelalters gewesen sei, also das, was Marx den Motor der Geschichte nennt. Angesichts dieser unglaublichen Entwicklung, in die erstaunlicherweise Gott der Herr, goldene Münzen, Eremiten, Feudalherren und sarazenische Frauen verwickelt waren, verloren als einzige die Italiener nicht ihren Kopf: Deshalb beendeten sie das Mittelalter durch die Erfindung der Renaissance… Eine schöne Satire, auch auf seine eigenen wirtschaftshistorischen Arbeiten – für Liebhaber*innen abseitiger Denkbewegungen!

In „Esskulturen. Gutes Essen in Zeiten mobiler Zutaten“ geht es ernsthafter, aber trotzdem orientiert am guten Leben zu. Gutes Essen, ökologisch nachhaltig und sozial fair produziert, ist längst zum Luxusgut geworden, über das sich Menschen definieren. In Epochen des Überflusses wird die Verbindung zwischen Kultur und Essen häufig zum „Event“. Für viele Menschen ist es jedoch schwierig, sich zu leistbarem Preis mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen. Die Frage entsteht, ob die sozialen Hintergründe als Entscheidungsfaktor darüber dienen, wann Essen etwas Besonderes ist und wann lediglich Nahrungszufuhr?
Wie mit dem Gegessenen umgehen, vom Abfall, über die Verdauung bis hin zum Wunsch, gut zu essen und doch schlanker zu werden…

Nahrungsmittel und insbesondere Gewürze waren häufig mehr als schnell verzehrte Konsumgüter. In „Pfeffer. Rezepte und Geschichten um Macht, Gier und Lust“ geht es um Kriege und Kolonisierung, die auch des teuren Pfeffer wegens geführt worden sind, um hoffnungsvolle Abenteurer, angestrebte Handelsmonopole, kulinarische Traditionen und gesellschaftliche Statussymbole. Gespickt mit Anekdoten und abwechslungsreichen Rezepten ist das schöne Büchlein vom Mandelbaum-Verlag eine Würdigung dieses vielschichtigen und spannenden Begleiters unseres Küchenalltags – würzig spannend!

Ein wissenschaftlicher Beitrag zur politischen Bedeutung der Nahrungsaufnahme findet sich in: „Politische Mahlzeiten, political meals“. Das Politische der Mahlzeit reicht vom komplexen Setting am Familientisch bis zum Staatsbankett, vom Status einer Speise bis zur Verweigerung von Nahrung im Hungerstreik. Die Beiträger*innen des vorliegenden Bandes nutzen diese Spannbreite, um das Essen als den politischen Brennpunkt auszuloten, den es nicht nur, aber besonders in der Gegenwart darstellt.

Wer zu viel getrunken hat, kennt den Rat, am nächsten Morgen Matjes zu essen… In „Heringe“ wird eine Kulturgeschichte des Herings geschrieben. Als ‚Silber des Meeres‘ wurde er im Mittelalter mit Gold und Pelzen aufgewogen, auf ihn, den ‚König der Fische‘, gründeten sich nicht nur Vermögen, sondern ganze Reiche, die, blieb er aus, untergingen. In diesem Sinne läßt sich mit dem Heringsbuch anhand eines kulturwissenschaftlichen Ansatzes auch gleichzeitig eine Wirtschafts- und Sozialgeschichte studieren.

Bleibt am Ende was Saures: in der Reihe „Mandelbaums kleine Gourmandisen“ ist auch ein feines Bändchen „Zitronen“ erschienen. Damit läßt sich gut kochen, gut würzen und gut trinken – in diesem Sinne: Hoch die Tassen – Euch Alles Gute für ein würziges, spritziges 2019!

RIOT, DON’T DIET!!!
Euer Links-Lesen-Kollektiv

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