Buchtipps zum Jahresende 2025

Wie jedes Jahr gilt: Bestellt gern frühzeitig – und checkt unbedingt die Sendungsverfolgung in der Versand-Mail ganz unten, damit Eure Bestellung nicht bei der Nachbarin oder im Kiosk verschimmelt.

Da im Weihnachtsgeschäft immer viel Trubel ist, können wir vielleicht nicht alles rechtzeitig liefern und leider leider sind auch viele tolle Bücher von kleinen und linken Verlagen bei uns nicht erhältlich… In einem solchen Fall bestellt entweder direkt beim Verlag oder / und kauft auch im lokalen unabhängigen Buchladen vor Ort. Unsere Jahresendempfehlung besteht aus Büchern, die wir in diesem Jahr besonders lesenswert, eindrücklich, aufwühlend oder anregend fanden. Wir würden uns freuen, wenn sich hier einige Tipps finden, die Euch zusagen, zum Verschenken oder für Euch selber.


Schlaue Bücher für das Jahr 2025

Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus | Was wollen Donald Trump, Elon Musk und ihre Anhänger:innen?“ vom WissenschaftlerInnen-Paar Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey, deren sachliche, aber zutiefst politisch engagierte Analysen wir sehr schätzen! (Suhrkamp)

Weißglut. Die inneren Kriege der USA. Eine Geschichte von 1900 bis heute“ Der Historiker, Politikwissenschaftler und Amerikanist Bernd Greiner analysiert die Wurzeln von Trumps Macht und der MAGA-Bewegung – leider hochaktuell… (Beck Verlag)

„Political Girl. Pussy Riot – Leben und Schicksal in Putins Russlandempfehlen wir in tiefer, feministischer Solidarität mit Maria Aljochina und ihren Mitstreiterinnen von Pussy Riot, als eine der radikalen Oppositionsbewegungen in Putins Russland – unbedingt lesen! (Berlin Verlag)

„Die große Mobilisierung. Die Bundeswehr von der Wiederbewaffnung bis zur Kriegstüchtigkeit“ vom AK Antimilitarismus ist in Zeiten der Aufrüstung ein aktuell dringend notwendiges Buch, das 70 Jahre nach Gründung der Bundeswehr deren Geschichte aufarbeitet: Von der Wiederbewaffnung, dem Aufbau einer ’starken Truppe‘ im Kalten Krieg und einer Traditionspflege, die auch vor der Bezugnahme auf die Wehrmacht nicht zurückschreckte (Papyrossa Verlag)

„Alles muss man selber machen. Zur Geschichte der Rätebewegungen, von der Pariser Kommune bis Rojava von Christoph Wimmer, den wir immer sehr schätzen für seine Geschichtsschreibung von unten. Diesmal geht es um Selbstorganisierte Zusammenschlüsse in allen gesellschaftlichen Bereichen, die nicht nur protestieren, sondern beginnen, das gesamte Leben neu zu gestalten (Dietz Berlin)

Feministische und antirassistische Analysen

Feministisch morden. Kleine Abhandlung über anti-patriarchale Gewalt Die baskische Aktivistin und Bloggerin IRENE erzählt hier Geschichten von Frauen, die sich gegen patriarchale Gewalt schließlich auch gewaltsam gewehrt haben: wütende Frauen. Frauen, die ihre Peiniger getötet haben. Frauen, die militant gegen des Patriarchat kämpfen – feministische politische Lektüre vom guten Unrast-Verlag

Das Patriarchat im Uterus. Ein Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung“ (Droemer / Knaur) Mythen und Falschinformationen rund um das Thema Schwangerschaftsabbruch halten sich hartnäckig. Die Folge: Unkenntnis, Tabuisierung und Stigmatisierung. Die Autorin Alicia Baier, Ärztin in der Gynäkologie und Gründerin von Doctors for Choice Germany legt ein hochaktuelles Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung vor – ein Muss für alle, die sich für Feminismus, reproduktive Rechte und Geschlechtergerechtigkeit interessieren.

Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ jetzt endlich als Taschenbuch! (btb) Drei Freundinnen, ein Küchentisch, vor den Fenstern die Nacht: Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann reden. Über sich als „Ostfrauen“, was auch immer diese Schublade bedeutet, über das Glück krummer Lebensläufe, über die Gegenwart mit ihrer sich ständig reindrängelnden Vergangenheit. Es wird getrunken, gelacht und gerungen.

„Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche VerfügbarkeitDie Geschlechter-Forscherin Franziska Schutzbach schreibt in ihrer feministischen Streitschrift über ein System, das von Frauen alles erwartet und nichts zurückgibt – und darüber, wie Frauen sich dagegen auflehnen und alles verändern: ihr Leben und die Gesellschaft. (Droemer / Knaur)

Identitätskrise“ Alice Hasters, die Autorin von “Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten”, stellt die These auf, dass “der Westen” in einer Identitätskrise steckt. Sie erzählt die Geschichte der BRD nach und versucht eine Problemanalyse. Sehr klar geschrieben und einsteiger*innenfreundlich. (Hanser)

Brutale Nachbarn. Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können“ hiermit holt der  José Brunner mit seinem revolutionären, auf jahrelanger Forschung basierenden Konzept die Erkenntnisse der Psychologie in die politische Debatte. Denn Traumata, Narzissmus und Paranoia prägen nicht nur den Einzelnen, sondern ganze Nationen. Deshalb muss vor einer politischen Lösung zunächst eine psychologische erfolgen, damit beide Seiten lernen, nicht nur umzudenken, sondern auch »umzufühlen« und die jeweils andere als legitimen Nachbarn zu akzeptieren. (Propyläen)

Grenzen und Bewegungsfreiheit. Eine kritische Einführung“ Fabian Georgi diskutiert die Idee »globaler Bewegungsfreiheit« als emanzipatorisches Projekt und als Kernbestandteil sozial-ökologischer Transformation. Ausgehend von der Rolle von Grenzen im Kapitalismus und einer materialistischen Ethik der Migration setzt er sich mit Problemen und Herausforderungen der konkreten Utopie offener Grenzen auseinander – wichtiges Buch!! (Verlag Bertz + Fischer)

„Deserteure. Die Geschichte von Gewissen, Widerstand und Flucht“ (zu Klampen Verlag) In Kriegen gelten Deserteure oft als »Kameradenschweine« oder Drückeberger, Menschen, die sich ihrer Pflicht entziehen. Die Konsequenzen, die Deserteure für ihre Entscheidung zu erwarten haben, sind in der Regel drastisch: Gesellschaftliche Ächtung, aber auch Haftstrafen und Todesurteile drohen. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Deserteure hierzulande noch lange stigmatisiert, ihre Richter und Ankläger konnten hingegen ihre Karrieren in Justiz und Politik fortsetzen…

„Johannes Agnoli oder: Subversion als Wissenschaft“ – eine biografische Miniatur, die Einblick gibt in Agnolis Leben und einen guten Einstieg in sein Denken – auch dank einiger Originaltexte, die nun erstmals in gedruckter Form vorliegen. (Dietz Verlag, Berlin)

Vertraute Fremde. Exil in Prag 1933-1939“ Tausende deutsche Exilsuchende hatte es nach 1933 in die tchechoslowakische Hauptstadt verschlagen. Wie schafften es die Flüchtenden über die Grenze? Wie schlugen sie sich ohne Arbeit und Einkommen durch? Anhand von vierzig Schicksalen entfaltet Peter Lange ein Panorama des Exils in Prag, das nicht nur der Situation jedes Einzelnen Rechnung trägt, sondern auch Fragen nach Selbstbehauptung, Hilfsbereitschaft und Widerstand in der Fremde ganz neu stellt. (von Peter Lange bei Schöffling)

Erste Beben“ Der gute Verlag Assoziation A hat mal wieder – wie so häufig – seine Augen und Ohren nah an sozialen Bewegungen. Diesmal an einer radikalen Fraktion der französischen Klima- und Umweltbewegung: den ‚Les Soulèvements de la Terre‘, also den ‚Aufständen der Erde‘. Wir haben das Buch hier rezensiert: „Erste Beben“ 

Mut zum Unmut. Eine Anleitung zur politischen Widerspenstigkeit“ – in dieser positiven Streitschrift über Renizent zeigen Matthias Meisner und Paul Starzmann anhand konkreter Fälle, warum es gefährlich ist, wenn niemand mehr den Mut hat, »Nein!« zu sagen, und wie konstruktiver Ungehorsam geht. Sie rufen dazu auf, die Renitenz nicht den Rechten zu überlassen. (Dietz Verlag, Bonn)

„Alles auf Anfang. Auf der Suche nach einer neuen Erinnerungskultur“ – Max Czollek und Hadija Haruna-Oelker sind einfach ein bemerkenswertes Team, was sie auch in ihrem Podcast „Trauer & Turnschuh“ bewiesen haben. Ihren Versuch, den gesellschaftlichen Rechtsruck und die gescheiterte deutsche Erinnerungskultur in den Blick zu nehmen empfehlen wir wärmstens! (S.Fischer)

Survival of the Richest. Warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sindIn einer Zeit, in der Elon Musk und Peter Thiel sich immer stärker in die Politik einmischen, rekonstruiert der Medienttheoretiker Douglas Rushkoff, wie aus der Aufbruchsstimmung der 1990er ein Programm aus Angst und Größenwahn werden konnte. Viele Tech-Unternehmer wollen uns Normalsterbliche einfach nur hinter sich lassen, werden aber als Visionäre gefeiert. (Suhrkamp)

Antifa. The Anti-Fascist Handbook“ – dieses Handbuch zur  Antifa vom US-amerikanischen Historiker Mark Bray möchten wir aus antifaschistischer Solidarität empfehlen – Nach dem Mord am Rechtsextremisten Charlie Kirk hetzten dessen Anhänger so massiv gegen Bray, dass er sich im Herbst 2025 schließlich entschloss, das Land zu verlassen… (Melville House)

Kulturelles und Politisches


Spekulatius statt Spekulation! 50 Jahre Besetzung Amerlinghaus“ – dieses Buch musste einfach in die Empfehlungen, nicht nur, aber auch wegen des tollen Titels! Und Bewegungsgeschichte empfehlen wir ja immer sehr gern, diesmal über das Amerlinghaus, das erste in Wien durch Besetzung erkämpfte Kultur- und Kommunikationszentrum. Eine reich bebilderte Auswahl aus 50 Jahren Amerlinghaus findet sich in diesem Buch: Grundsätzliche Überlegungen ebenso wie Interviews mit unterschiedlichen Akteur:innen, Historisches ebenso wie Aktuelles, und viele Fotos aus allen Epochen. (Mandelbaum-Verlag)

Herbert Marcuse. Eine illustrierte Biografie“ führt die Leser_innen auf amüsante und geistreiche Weise durch seine ersten Studienjahre bei Martin Heidegger und seine Flucht aus Nazi-Deutschland. Sie schildert sein Leben in den USA und wie er sich dort seinen Status als Ikone der linken Gegenkultur erarbeitete. Marcuses Eintreten für eine humanere, nachhaltigere Welt wurzelte tief in seinem persönlichen Wissen über die Gewalt, die von Autoritarismus ausgeht, und dem Risiko seines Wiedererstarkens. (Unrast Verlag)

»All das passierte in diesem irrsinnigen Milieu Frankfurt«. Gespräche über eine Stadt – auch hier geht es um die Frakfurter Schule. Der Band ist ein vielstimmiges und detailreiches Bild der Mainmetropole, das sowohl persönliche Erinnerungen als auch kollektive Erfahrungen einfängt – mit einem besonderen Fokus auf die gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche der 1960er bis 1980er Jahre zwischen Studierendenrevolte, Psychoanalyse und Publikumsbeschimpfung. (Ventil-Verlag)

Freiheit im Fokus. Gerda Taro und Robert Capa in Leipzig“ – eins unserer Lieblingsbücher des Jahres, wir haben es hier rezensiert. (Verlag Hentrich & Hentrich)

Queere Tiere. Ein rebellischer Blick auf die „natürliche“ Ordnung“ – eine kluge, überraschende und unterhaltsame Hommage an das Schräge, das Starke und das wunderbar Unangepasste. Dieser schöne, reich illustrierte Band zeigt, dass die Natur mehr drauf hat als nur Heterosexualität und Kleinfamilie und uns mehr erzählen kann als die klassischen Lehrbücher dies bislang getan haben! (Favoritenpresse)


Romane und Memoirs


Lilianas unvergänglicher Sommer“  Die Schwester der Autorin Cristina Rivera Garza wurde von ihrem Ex-Freund ermordet, ihr widmet sie  dieses Buch. Der Erinnerung an Liliana, an die Unbeschwertheit ihrer Jugend, an ihr Leben und ihr Sterben steht die Bürokratie der Justiz entgegen – und die Sprache. Die Sprache, um die Cristina Rivera Garza ringt, ist eine, die es nicht gibt, die es nicht geben kann, die es geben muss. Es ist eine Sprache, in der ein zu früh verlorenes Leben verstanden werden kann. Und die den Lebensfunken einer jungen, ausgelöschten Frau neu entfacht. (Klett-Cotta)

Goldy Parin-Matthèy – Anarchistin, Spanienkämpferin, Psychoanalytikerin“ – Goldy Parin-Matthèy, 1911 in Graz geboren, früh in antifaschistischen (Künstler-)Kreisen aktiv, hatte ein sehr bewegtes Leben, im Spanischen Bürgerkrieg und bei den jugoslawischen Partisanen. Aber auch in den späteren Forschungsreisen nach Westafrika und in ihrer späteren Tätigkeit als Psychoanalytikerin spiegelte sich ihre Haltung wider – aufregend! (Mandelbaum-Verlag)

Ich fahr Pakete aus in Peking. Ein intimer Bericht eines Niedriglohnarbeiters in China“ 

Dialoge mit Pasolini

Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht

Autochthon“ (Kremayr & Scheriau)

Blutbrot

Hyphen

Morgen, morgen und wieder morgen“ Ein Jahrzehnte umspannender Roman über Popkultur und Kreativität, Wagnis und Scheitern, über Verlust und über die Magie der Freundschaft (Eichborn)

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ – Familiengeschichte: vom kargen Alltag auf einem Bauernhof an der Nordsee über den Krieg und den Neuanfang fern der Heimat bis in die Gegenwart, in der die Großmutter ins Heim muss und Alma versteht, dass sie das letzte Glied in der familiären Kette ist. (Luchterhand Literaturverlag)


Kinder- und Jugendbücher

Anna – was die Zeit nicht heilt“ (Fischer / Sauerländer)

Füller-Kinder. Erzählungen und Ereignisse aus dem Hinterhaus“ (Jacoby & Stuart)

Rosie auf der Insel“ (Kunstanstifter-Verlag)

Vulva! Wissen für unter der Gürtellinie“ (Hanser)

Der fantastische Bus“ (Verlag Antje Kunstmann)