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Reiseliteratur Italien

Bücher aus und über Italien

Wir haben für Euch viele Tipps zusammengestellt: Geschichten aus dem Widerstand der italienischen Resistenza gegen den Faschismus, Bücher über die Mafia, über das Sich-Heraus-Kämpfen aus armen Verhältnissen, gesellschaftspolitische Romane und Erinnerungen – für die Reise oder für Interessierte an italienischer Politik und Kultur.

Es war uns wichtig, Veröffentlichungen von kleinen unabhängigen Verlagen dabei zu haben. Über Empfehlungen und Feedback freuen wir uns!

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Reiseliteratur Italien - Orte

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Reggio Emilia - Giacomo Notari: „Ihr Partisanen, kommt nehmt mich mit Euch!“: 44.697800, 10.630500
Rom - Francesca Melandri: „Alle außer mir“: 41.898200, 12.498400
Bologna - „Wu Ming: „54“: 44.481749, 11.365871
Triest - Claudio Magris „Verfahren eingestellt“: 45.650000, 13.770700
Neapel - Norman Lewis: \'Neapel \'44\': 40.835900, 14.248800
Turin - Nanni Balestrini: „Die große Revolte“: 45.028285, 7.628460
Rom - Giancarlo de Cataldo / Carlo Bonini: „Suburra. Schwarzes Herz von Rom“: 41.753900, 12.288100
Reggio Emilia / Stuttgart: Ferdinand von Schirach: „Der Fall Collini“: 44.697800, 10.630500
Neapel - Elena Ferrante: \'Meine geniale Freundin\': 40.829100, 14.128500
Caserta - Nanni Balestrini: \'Sandokan\': 41.082100, 14.334700
Carbonia - Nanni Balestrini: \'Carbonia\': 39.165300, 8.527830
Bologna und Indochina - Wu Ming: \'Kriegsbeile\': 44.493700, 11.343000
Ferrara - Giorgio Bassani: „Die Brille mit dem Goldrand“: 44.837300, 11.618600
San Remo - Natalia Ginzburg: „So ist es gewesen“: 43.819800, 7.774880
Friaul - Pier Paolo Pasolini: „Kleines Meerstück“: 45.782848, 13.117676
Rom - Feridun Zaimoglu: „Rom intensiv“: 41.893300, 12.483000
Piemont - „Partisanenpfade im Piemont - Wege und Orte des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Ein Wanderlesebuch“: 45.246733, 7.209005
Turin / Piemont - Maurizio A.C. Quarello: „Bella Ciao“: 45.067800, 7.682490
Kalabrien - Carmine Abate: „Der Hügel des Windes“: 38.094579, 15.753021
irgendwo im Mittelmeer - Paolo Rumiz: „Der Leuchtturm“: 39.818030, 18.497543
Pantelleria - Alessio Torino: „Über mir die Sonne“: 36.827900, 11.942400
Italien / Rom - Luciana Castellina: \'Die Entdeckung der Welt\': 41.899818, 12.481670
Padua / Italien - Luce D’Eramo: Der Umweg“: 45.407700, 11.873400
Mailand - Giorgio Scerbanenco: „Die Verratenen. Duca Lamberti ermittelt“: 45.466800, 9.190500
Sizilien - Goliarda Sapienza: „Die Unvorhersehbarkeit der Liebe“: 37.587800, 14.155100
Rom / Italien - Heiko Koch: „Casa Pound Italia“: 41.897400, 12.501200
Tal des Flusses Po - Renata Viganò: \'Agnese geht in den Tod\': 45.084188, 9.754486
Genua / Ligurisches Hinterland - Italo Calvino: \'Wo Spinnen ihre Nester bauen\': 44.407300, 8.933860
Rom - Carlo Bonini: „ACAB“: 41.935100, 12.462700
Borgo di Dentro / Piemont - Raffaella Romagnolo: \'Bella Ciao\': 44.638300, 8.645250
Gefangeneninsel Asinara - Francesca Melandri: \'Über Meereshöhe\': 41.055300, 8.279690
Mattinata / Apulien - Thomas Padova: \'Nonna\': 41.710100, 16.051600
Vigata / Sizilien - Andrea Camilleri: \'Die Inschrift\': 36.922000, 14.721300
Pinerolo - Patricio Pron: \'Vergieß deine Tränen für keinen, der in diesen Straßen lebt\': 44.887300, 7.331950
Palermo / Sizilien - Santo Piazzese: \' Blaue Blumen zu Allerseelen. Ein Palermo-Krimi\': 38.129966, 13.359375
Sardinien - Michela Murgia: \'Faschist werden\': 39.930300, 8.532050
Alto Adige - Ulrich Ladurner: \'Der Fall Italien. Wenn Gefühle die Politik beherrschen\': 46.669600, 11.159400
Lampedusa - Davide Enia: \'Schiffbruch vor Lampedusa\': 35.502850, 12.605141
Palermo / Sizilien & Wolfsburg - Hedwig und Ralf Richter: \'Die \'Gastarbeiter-Welt\'. Leben zwischen Palermo und Wolfsburg\': 38.111200, 13.352400
Triest - Fransecky | Rudorff | Schneider | Stracke: \' Kärnten – Slowenien - Triest Umkämpfte Erinnerungen\': 45.717447, 13.801849
Aosta-Tal - Paolo Cognetti: \'Acht Berge\': 45.737100, 7.319660
Rom - Edorado Albinato: \'Die katholische Schule\': 41.890941, 12.529437
Tessin / Mailand - Lisa Tetzner / Kurt Held: \'Die schwarzen Brüder\': 45.689300, 8.601830
Tessin / Mailand - Lisa Tetzner / Kurt Held: \'Die schwarzen Brüder\': 45.478983, 9.189514
Alto Adige - Maria Brunner: \'Berge, Menschen, Meere\': 46.032789, 11.015854
Triest - Veit Heinichen: \'Borderless\': 45.635183, 13.765182
Siena - Nicoletta Giampietro: \'Niemand weiß, dass du hier bist\': 43.318600, 11.331700
Neuere Romane aus und über Italien:

– Den berühmten Titel „Bella Ciao“ hat Raffaella Romagnolo für ihren Roman über die Emigration aus Italien gewählt: über das Weggehen, das Bleiben und das Zurückkommen zweier Frauen. Für eine (ehemalige Fabrikarbeiterin) wurde der amerikanische Traum wahr, während die Zurückgebliebene zwei Weltkriege, das Aufkommen des Faschismus und den Partisanenkampf gegen das Regime im Piemont miterlebt.
– Francesca Melandri hat in „Über Meereshöhe“  geschrieben, die 1979 ihre Angehörigen auf einer italienischen Gefängnisinsel besuchen. Das Buch, in dem es auch um den linksradikalen Sohn eines Professors geht, der wegen bewaffneten Kampfes im Knast sitzt, ist sehr zart, sehr leise, bewegend.
– „Nonna“ von Thomas Padova ist eine Annäherung an seine Großmutter, die ihr Leben lang im apulischen Dorf zurückblieb, während die Männer der Familie in die Welt aufbrachen. Die Gespräche kreisen trotzdem um die großen Themen der Welt wie Leben, Liebe, Arbeit, Armut, Migration…
– Eine herrlich böse Satire über den kleinbürgerlichen und kleindörflichen Faschismus Italiens ist dem sizilianischen Krimiautor Andrea Camilleri mit „Die Inschrift“ gelungen.
– „Vergieß deine Tränen für keinen, der in diesen Straßen lebt“ ist eine rekonstruierte fiktive Familiengeschichte von Patricio Pron, in der es um Faschismus, Partisanenwiderstand und den italienischen Futurismus geht. Die Handlung entspinnt sich auf einem faschistischen Schriftstellerkongress im Piemont
– Der Band „Blaue Blumen zu Allerseelen“ von Santo Piazzese ist einerseits gut geschriebener Krimi, aber darüberhinaus eine aktuelle und kritische Analyse der Mafia, der Schattenökonomie und Gesellschaft Palermos, wodurch das Buch gleichzeitig zu einer Art Investigativ-Reportage wird.

Politische Bücher und Fundstücke:

– Ein provokanter Titel, ein lesenswertes Buch: „Faschist werden“ von Michela Murgia ist eine bittere Satire auf faschistische Ideologien in Italien und darüber hinaus. Die aus Sardinien stammende Autorin hat zuvor eine sozialkritische Arbeit über Arbeitsbedingungen im Callcenter („Camilla im Callcenterland„) und einen weit beachteten Roman über Sterbehilfe und Adoption geschrieben: „Accabadora

– „Der Fall Italien“ vom Südtiroler Journalisten Ulrich Ladurner erscheint im Herbst 2019 und analysiert den italienischen und europäischen Rechtspopulismus und eine emotionalisierte Politik.
– Eine eindringliche Erzählung über die Bewohner*innen der Insel Lampedusa und die dorthin Geflohenen findet sich in „Schiffbruch vor Lampedusa“ von Davide Enia – kein ‚Flüchtlingsroman‘, sondern eher ein Zeitdokument und eine persönliche Bestandsaufnahme.
– In der italienisch-westdeutschen Geschichte spielte die Migration eine wichtige Rolle. Die Dokumentation „Die „Gastarbeiter-Welt“. Leben zwischen Palermo und Wolfsburg“ erzählt anhand der zahlreichen italienischen Migrant*innen in Wolfsburg eine Migrationsgeschichte, in der die Motive und Erfahrungen der italienischen Community in Wolfsburg im Fokus stehen, ohne sie als unterdrückte Opfer darzustellen.
– Vom Weggehen und Wiederkehren handelt der ausgezeichnete Roman „Acht Berge“ von Paolo Cognetti. Eine Vater-und-Sohn-Geschichte, in der es um die Identität der Jüngeren geht, die vom Dorf in die Städte gegangen sind und ein Buch über Berge – als Handgepäck für die nächste Gipfeltour im Aosta-Tal also bestens geeignet.
– Leider nicht mehr lieferbar, aber um so empfehlenswerter ist der politische Reiseführer „Kärnten – Slowenien – Triest. Umkämpfte Erinnerungen“ über die geschichtsträchtige Alpen-Adria-Region, in der geschichtspolitische Initiativen spannende historische Erinnerungen, Orte und Akteur*innen ausgraben und vorstellen.

Fünf unserer Lieblingsbücher zu Italien:

– Die Region Emilia Romagna war während des Faschismus Partisanengebiet. Giacomo Notari: „Ihr Partisanen, kommt nehmt mich mit Euch!“, der im damals sehr ärmlichen Apennin aufwuchs, erzählt hier seine Lebensgeschichte. Mit 17 trat er der italienischen Resistenza bei und wurde später Vorsitzender des Partisanenverbands in Reggio Emilia. (Papyrossa-Verlag)
Zum weiteren Stöbern über die italienische Partisanengeschichte empfehlen wir die beiden schönen Seiten (mit Materialien): Resistenza.de und Istoreco
Melandri: Eine hochgelobte Familiengeschichte, in der die oft verdrängte Kolonialgeschichte Italiens im Abessinienkrieg von 1935-36 verhandelt wird, ist Francesca Melandri: „Alle außer mir“. Eine Lehrerin in Rom wird sowohl mit unerwarteter Familien-Vergangenheit als auch mit aktuellen Situationen der Geflüchteten heute konfrontiert. En passant wird die Korruption innerhalb des italienischen Parteienapparates beschrieben und der Zusammenbruch dieses Systems Anfang der Neunzehnhundertneunziger Jahre. Zum intensiven Ein- und Abtauchen in italienische Geschichte am Strand geeignet – ein must-read für Linke! (Wagenbach-Verlag)
Suburra: Für Freund*innen (auch brutaler) politischer Thriller empfehlen wir Giancarlo de Cataldo / Carlo Bonini: „Suburra. Schwarzes Herz von Rom“ – danach ist es allerdings schwer, nur noch das schöne, antike Rom zu genießen, vielmehr sieht und denkt man immerzu an Korruption, Baubetrug, Bandenkriege, Neo-Faschisten und schmutzige Verstrickungen zwischen Politik, Kirche und Mafia – die Realität läßt grüßen…
Wu-Ming: Aus einem unserer Lieblingsverlage Assoziation A stammt „Wu Ming: „54“. Ausgangspunkt ist eine Bar in Bologna – hier entspringt ein verrückter, wilder Roman über die 50er Jahre, McCarthy-Ära, Vietnamkrieg, Drogenhandel, Partisanen, Titos Jugoslawien. Für den britischen Secret Service taucht Cary Grant auf – eine ebenso wichtige Rolle spielt: ein Fernseher… Dem italienischen Wu Ming-Kollektiv ist mal wieder eine Geschichtsschreibung von unten gelungen, die zum Teil sehr witzige, aber immer auch tragische Momente hat. Minuspunkt: Frauenrollen können sie leider immer noch nicht…
Schirach Krimi: Ferdinand von Schirach: „Der Fall Collini“ ist unsere Empfehlung für Interessierte an deutsch-italienischer Entschädigungspolitik, verpackt in einen ungewöhnlichen Kriminalfall. Der frühere Mercedes-Benz-Arbeiter Fabrizio Collini erschießt einen angesehenen deutschen Industriellen, nach der Tat schweigt er zu seinem Motiv. Kein typischer Krimi, ein eher leises zurückhaltendes Buch – lesen!

Weitere Bücher aus und über Italien:

– Im autobiographisch geprägten Roman „Die katholische Schule“ lotet Edoardo Albinati die Abgründe von Erziehung und Männlichkeit in einer römischen Priesterschule aus. Es geht um ein brutales Verbrechen, aber auch um Pubertät und Erwachsenwerden mit all seinen lustigen und düsteren Schattierungen.
– „Die Söhne der Winde“ von Criaco Gioacchino proben die Frauen, die in den armen Gegenden Kalabriens alleine für die Familien zuständig sind, den Aufstand, während ihre Ehemänner in Deutschland Arbeit suchen und die Söhne mit der Mafia anbändeln
– Ein ganz großer Jugendbuch-Klassiker sind für uns „Die schwarzen Brüder“ von Lisa Tetzner bzw. ihrem Mann Kurt Held, bekannt von „Die rote Zora“ ! Das Buch handelt von Jungen aus dem Tessin, die von ihren sehr verarmten Bergbauernfamilien nach Mailand verkauft wurden und dort Kamine putzen mussten – unter harten Bedingungen, die aber wiederum auch zu Solidarität untereinander führten. Kann mensch auch noch als Erwachsene lesen!
– Im Alto Adige / Südtirol spielt „Berge, Meere, Menschen“ – es ist die sozialkritische Geschichte eines sogenannten ‚Kostkindes‘ auf einem Tiroler Einödhof.
– Der in Triest lebende frühere Verlagsgründer Veit Heinichen, der in Triest lebt, hat eine ganze Reihe lesenswerte Krimis veröffentlicht – in „Borderless“ ist eine neue Kommissarin am Werk, die sich mit Korruption auf höchster politischer Ebene, Menschenhandel und Waffenschmuggel befassen muss.
– Die toskanische Stadt Siena während der 40er Jahre wird in Nicoletta Giampietros Roman „Niemand weiß, dass du hier bist“ zum Schauplatz einer Geschichte über einen Zwölfjährigen, der zunächst vom Faschismus begeistert ist, bis er sich mit dem jüdischen Daniele befreundet; Geschichtsbuch und Charkterstudie über Mut in Zeiten von Diktatur in einem.

Und noch ein Büchertisch voller linker Italienbücher:

Magris: In Claudio Magris „Verfahren eingestellt“ wird anhand einer Familiengeschichte in Triest italienische Geschichte erzählt: es geht um das Habsburgerreich, um Sklaverei bis hin zur deutschen Besatzung der Stadt 1943. Entlang von Luisa, Tochter einer Jüdin und eines afroamerikanischen Leutnants werden Geschehnisse im italienischen Faschismus und Verbrechen der SS anschaulich und wortgewaltig rekonstruiert – aber auch das Vertuschen und Vergessen: Verfahren eingestellt…

Lewis: Das Tagebuch des US-amerikanischen Nachrichtenoffiziers Norman Lewis: „Neapel ’44“ beschreibt seine Eindrücke aus dem zerbombten Neapel 1943-1944, das nach erbitterten Kämpfen von den Faschisten befreit worden ist. Lewis verzeichnet Gewalt, Unfähigkeit, Not, Witz und Erfindungsgeist der Bewohner*innen dieser Stadt, denen er viel Empathie entgegenbringt. Nachvollziehbar wird auch der schnelle Wiederaufstieg der Camorra und Lewis‘ eigene Skepsis gegenüber der Besatzungspolitik. Eine schöne Veröffentlichung vom kleinen Folio-Verlag“ aus Wien, der durch viele Übersetzungen ein interessantes Literatur- und Sachbuchprogramm auch aus dem italienischen und südosteuropäischen Raum zugänglich macht.

Historisch schließt hier, im Neapel der 50er Jahre der erste Band der großen Tetralogie von Elena Ferrante an: „Meine geniale Freundin“. Eine „neapolitanische Saga“ (nicht nur) für alle Feministinnen, für Freund*innen, Mütter und Töchter darüber, wie Lebensgeschichten inmitten gesellschaftlicher Prozesse wie Armut, Aufstieg, Gewalt, Sexismus und Mafia so viele Wege und Wendungen nehmen können. Der Roman führt immer wieder nach Neapel zurück – aber über diesen Städetbezug hinaus ist es eine großartige vierbändige Reihe, um Italien besser zu verstehen. Oder auch: der Stoff aus Didier Eribon: Rückkehr nach Reims“ als Roman geschrieben.

A propos Trilogie: Nanni Balestrini: „Die große Revolte“ ist, wie der Verlag Assoziation A schreibt: „das literarische Vermächtnis der Revolte in Italien“. Es geht um die Kämpfe im Turiner FIAT-Konzern und damit um die Strömung des Operaismus, der ‚anderen Arbeiterbewegung‘. Die Entstehung der Autonomia um 1977 mit ihren Massendemonstrationen, Supermarktplünderungen, Hausbesetzungen, dem Aufbau linker sozialer Zentren und unabhängiger Medien wird überaus lebendig, radikal und inspirierend erzählt.

Der Tod des Verlegers Feltrinelli bei einem Bombenanschlag auf einen Strommast führt ein in die militante Geschichte, in die Auseinandersetzungen um den bewaffneten Kampf, Brigate Rosse, Lotta Femminista, Lotta Continua oder Potere Operaio – schließlich erfolgt die Inhaftierung Tausender linker Aktivist*Innen. Auch Balestrini, der in verschiedenen Gruppierungen, Zeitschriften und Druckkollektiven engagiert ist, wird 1979 „Zugehörigkeit zu einer subversiven Vereinigung“ vorgeworfen, woraufhin er auf Skiern über die Alpen nach Frankreich flüchtete.

-> Linke Geschichte Italiens, in drei Romanen – ein Muss!

Wer Gefallen daran gefunden hat, kann auch noch „Sandokan“ von Balestrini lesen, eine Camorra-Geschichte, die im süditalienischen Kampanien spielt und die gesellschaftlichen Zusammenhänge von organisierter Kriminalität, Gewalt und Mafia im verarmten Süden zum Thema hat.

Nach Sardinien führt die letzte Empfehlung von Balestrini: „Carbonia. Wir waren alle Kommunisten“, erschienen im tollen selbstverwalteten österreichischen Verlag bahoe books (mit Sitz in Wien und Thessaloniki): erzählt wird Arbeitergeschichte, verknüpft mit weiter zurück liegenden Erfahrungen aus der Resistenza, der Verfolgung durch die Deutschen bis hin zu den harten Arbeitskämpfen in den Kohleminen – kämpferische Urlaubslektüre!

Freund*innen des italienischen Autorenkollektivs Wu Ming, die früher als Luther Blissett den großartigen Bauernkriegsroman von unten „Q“ veröffentlicht hatten, können sich auch an „Kriegsbeile“ versuchen: gemeinsam mit dem ehemaligen Partisan Vitaliano Ravagli werden hier zum Teil tief vergrabene Widerstandsgeschichten rekonstruiert und in Beziehung zueinander gesetzt: die großen und kleinen Kämpfe der Resistenza gegen die Faschisten und deren Verfolgung in der Nachkriegszeit, Tutte Bianche und NoBorder-Aktivist*innen heute bis hin zur Geschichte derjenigen Brigadisten, die aus Europa in den Indochinakrieg zogen, um an der Seite der Vietminh zu kämpfen. Das Buch ist sowohl ein hartes Stück (männlicher) Kriegsgeschichte, aber auch wieder Rekonstruktion beinah vergessener Kämpfe.

Eine ganz andere, leisere Geschichte und gleichzeitig ein entlarvendes Gesellschaftsporträt gelingt in Giorgio Bassani: „Die Brille mit dem Goldrand“, wieder vom italophilen Wagenbach-Verlag: ein anerkannter Arzt der guten Gesellschaft in Ferrara in der Emilia-Romagna verliebt sich um 1919 in einen jüdischen Studenten, womit Homosexualität, bürgerliche Heuchelei, Skandal und aufkommender Antisemitismus als Themen auf der Hand liegen und vom ehemaligen Widerstandskämpfer und jüdischen Literaten Bassani kunstvoll erzählt werden. Am besten vormittags auf der Piazza zum Cappuccino lesen, während die „gute Gesellschaft“ gepflegt vorbeiflaniert…

Eine starke Frau, die über Beziehungen und das Scheitern derselben schreibt, ist die in Italien berühmte linke antifaschistische Autorin Natalia Ginzburg: „So ist es gewesen“ ist die lakonisch erzählte Geschichte einer klassischen Dreiecksbeziehung, die mit dem Geständnis der Protagonistin beginnt, dass sie ihren Mann ermordet hat: „Ich habe ihm in die Augen geschossen.“ Anschließend verlässt sie das Haus und trinkt einen Kaffee in einer Bar. Ein schnörkelloser Roman, vielleicht am ehesten für den Single-Urlaub…

Als weiteren klassischen Tip empfehlen wir Pier Paolo Pasolini: „Kleines Meerstück“, z.B. bei Reisen ins Friaul im Nordosten Italiens. Die Akteur*innen sind arme Bäuer*innen, Pächter*innen, Tagelöhner*innen, in den Schilderungen entwickeln sich wichtige Themen, die immer wieder in Pasolinis Gesamtwerk auftauchen: soziale Gerechtigkeit, Religion und Homosexualität, entwickelt anhand der Figuren des Dorfschullehrers und des jungen Kaplans. (Folio Verlag Wien) Zum Lesen für die Abende nach langen Wanderungen durch karstiges Hinterland.

Wir wollen Euch auch eine Art alternative Reiseführer empfehlen:

  • Feridun Zaimoglu: „Rom intensiv“. Zaimoglu verarbeitet in 54 Kurzgeschichten sein eines Jahr in Rom, das er dort als scharfzüngiger Beobachter im Rahmen eines literarischen Stipendiums verbrachte: ein Rom abseits der klassischen Hotspots und trotzdem mittendrin.

und

In „Bella Ciao“ erzählt Maurizio A.C. Quarello als Comic davon, wie sein Großvater Anführer einer Partisanengruppe in Norditalien war, aber auch welche Rolle die Frauen in diesem Kampf gegen die deutschen Besatzer spielten. Gezeichnet wird auch die Befreiung, die als „Fünf Tage von Turin“ gefeiert wurden, und wo eine erneute Begegnung mit den Deutschen stattfindet…
Die Kritikerjury der Jungen Leser aus Wien hat dieser Graphic Novel aus dem kleinen Verlag Jacoby & Stuart den Sonderpreis 2017 verliehen.

Carmine Abate entführt in „Der Hügel des Windes“ nach Kalabrien und erzählt die nicht immer heroische Geschichte einer Bauernfamilie, gegen (faschistische) Großgrundbesitzer, gegen die Mafia, gegen Tourismusprojekte und gegen Bau von Windrädern – aber es gibt auch noch das alte Familiengeheimnis um zwei erschossene Männer… Schmökern am Strand!

Urlaub in Italien ist auch oft Urlaub am Mittelmeer, da liest sich Paolo Rumiz: „Der Leuchtturm“ besonders gut: Drei lange Monate verbringt der in Triest geborene Essayist und Journalist Rumiz auf einem einsamen Leuchtturminselchen, betrachtet tags das Meer und das Wetter, nachts den Lichtstrahl und den Himmel. Dabei sinniert und erzählt er über den Mittelmeerraum und seine kulturelle, wirtschaftliche, kulinarische und historische Bedeutung – kein Roman, ein genaues und gleichzeitig genießerisches, ein „mediterranes“ Nachdenken, das auch vor der Schlechtigkeit des Umgangs europäischer Staaten mit denjenigen nicht haltmacht, die über das Mittelmeer in den Norden kommen wollen. Für alle, die abends beim Wein mit ihren Mitreisenden weiterdiskutieren wollen…

Erst dieses Jahr erschien „Über mir die Sonne“ von Alessio Torino, ein coming-of-age-Roman über zwei Schwestern, der auf der Insel Pantelleria vor Sizilien spielt. Die Mutter hat gerade den Vater verlassen, die drei erleben Urlaubssommer, Pubertät, Verlustgefühle und Zusammenhalt, in eindringlicher Sprache erzählt. Für den Familienurlaub? Oder gerade nicht?

Der kleine linke Hamburger Laika-Verlag bringt mit Luciana Castellina: „Die Entdeckung der Welt“ eine sehr viel politischere coming-of-age-Erinnerung heraus: Luciana Castellina, die später „il manifesto“ mitbegründete, beschreibt ihre Erinnerungen als Tochter aus reichem Hause. Es geht um ihr politisches Erwachen als Teenagerin im faschistischen Italien, um den Umbruch nach der Befreiung und somit um eine persönlich-politische Entwicklung, die zu ihrem Eintritt in die Kommunistische Partei Italiens 1947 und zum Ausschluss aus derselben führt. Der Verlag schreibt: „»Die Entdeckung der Welt« ist ein Buch über Krieg, Antisemitismus, Antifaschismus, Widerstand, den Glauben an soziale Gerechtigkeit, den Hunger nach Erfahrungen; über Reisen, Kino, französische Intellektuelle und FIAT-Arbeiter, internationale Diplomatie und Freundschaft.“ Ein must-read für Linke.

Eine gänzlich andere Perspektive auf die 40er Jahre findet sich in Luce D’Eramo: Der Umweg“. Luce d’Eramo, deren Vater Staatssekretär unter Mussolini war, hört als begeisterte 18jährige Faschistin von Konzentrationslagern – sie reist 1944 nach Deutschland und meldet sie sich freiwillig in die Hölle: Sie wird Fremdarbeiterin der IG Farben in Frankfurt-Höchst. Aus dem Erfahrungstrip wird eine brutale Reise mit vielen Wendungen, auch ideologisch; harter Tobak mit hohem Erkenntnisgewinn, nicht nur für Antifas.

Urlaubslektüre bedeutet für viele von uns ja auch Krimis, darum auch aus diesem Genre noch eine Empfehlung, wieder aus dem Folio-Verlag:
Giorgio Scerbanenco: „Die Verratenen. Duca Lamberti ermittelt“: Der im Milieu der „kleinen Leute“ in Mailand spielende Krimi verhandelt die Problematik, dass Ärzte die sogenannte „Jungfräulichkeit“ junger Frauen wiederherzustellen haben, damit diese einflussreiche und höher gestellte Männer heiraten können… Mehrere mysteriöse Todesfälle tauchen auf, das Netz der Verstrickungen reicht bis in die Zeiten der Partisanen zurück, aber auch eine junge Amerikanerin spielt eine undurchsichtige Rolle.

Der kitschige Buchtitel „Die Unvorhersehbarkeit der Liebe“ von Goliarda Sapienza läßt nicht vermuten, dass hier eine emanzipatorische Frauengeschichte aus Sizilien erzählt wird. Aufbruch aus festgefahrenen Rollenbildern und geschlechterstereotypen Verhaltensmustern in einer traditionellen Gesellschaft werden verpackt in eine Lebensgeschichte, die mit viel Sympathie für Rebellion und Freiheitsdrang erzählt wird.

Für alle Antifaschist*innen, die nach Italien reisen, oder sich für die dortige extreme Rechte interessieren ist „Casa Pound Italia“ das passende Buch. Heiko Koch geht in diesem Buch vom Unrast-Verlag den historischen Entwicklungen dieser neofaschistischen Gruppe, ihren ideologischen Fundamenten und ihren leider zum Teil sehr erfolgreichen Aktivitäten nach. Nach dem Lesen gilt umso mehr: Siamo tutti antifascisti!

Eine Erzählung, die nach der Kriegserklärung Italiens 1943 gegen Deutschland einsetzt: „Agnese geht in den Tod“, geschrieben von der Krankenschwester Renata Viganò, die selbst im Widerstand gegen die Faschisten und Nationalsozialisten aktiv war: Als die alternde Wäscherin Agnese einen einheimischen Soldaten bei sich aufnimmt, verpfeifen die Nachbarn sie an die Besatzer. Ihr Mann wird abgeholt und stirbt noch auf dem Weg ins KZ. In einem Racheakt erschlägt Agnese einen Deutschen. Damit nimmt das Schicksal seinen Lauf: Agnese muss fliehen und schließt sich den Partisanen an. Als Botin auf dem Fahrrad übermittelt sie Nachrichten, transportiert Sprengstoff und Lebensmittel – eine Rolle, die viele viele Frauen in Italien bei den Partisan*innen übernahmen.

In seinem ersten Roman „Wo Spinnen ihre Nester bauen“ beschreibt Italo Calvino Krieg und Partisanenwirklichkeit aus der Perspektive eines Jungen, der irgendwo in Ligurien den Krieg wie ein düsteres Märchen erlebt und von der Welt der Erwachsenen magisch angezogen wird. Aber er ist ein Außenseiter. Weil niemand ihn ernst nimmt, versucht er, durch eine Mutprobe auf sich aufmerksam zu machen, und klaut die Pistole eines deutschen Soldaten…

Als letzte Empfehlung kommt Carlo Bonini: „ACAB“ – wahrlich ein schlecht gewählter Titel, vermutlich aber passend zu Milieu und Atmosphäre in Rom, die Bonini laut Verlag so beschreibt: „Hooligans, unbändiger Hass, Straßenschlachten – die Polizei im Kampf gegen einen Gegner außer Kontrolle. Nackte Gewalt gehört für eine eingeschworene Gruppe der „Celerini“, der italienischen Bereitschaftspolizei, zur Tagesordnung. Als eingefleischte Anhänger Mussolinis verabscheuen sie den laschen Staat, sind ständigen Auseinandersetzungen mit Ultras und Nazi-Skins ausgesetzt und müssen sich zudem wegen illegaler Übergriffe nach dem G8-Gipfel verantworten. Bonini erzählt vom Irrsinn auf der Straße, einer verdrängten Realität“

Melandri
Suburra
Magris
Wu-Ming

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