Über LinksLesen können nahezu alle lieferbaren Medien bezogen werden.
Bücher bestellen und linke Projekte unterstützen.

Reiseliteratur für Linke: Griechenland

In unserer losen Reihe „Reiseliteratur“ möchten wir Euch Bücher zu verschiedenen Reiseländern empfehlen. Nach Frankreich und Italien stellen wir hier vor: linke Bücher aus und über Griechenland.
Es gibt politische und zeitgenössische Romane, Krimis mit linken Themen, Biographien oder historische Bücher über den griechischen Bürgerkrieg oder die deutsche Besatzung sowie Sachbücher über die Balkanroute, über Reparationsforderungen und die Auswirkungen der Krisenpolitik der Troika auf Griechenland, Reise- und Wanderführer und den einen oder anderen Film.

Für Infos zu Griechenland-solidarischen Gruppen, Veranstaltungen oder politischen Reisen gibt es den Blog „Griechenland-Solidarität„. Auf der Karte lassen sich die Orte anklicken, in denen die Bücher spielen oder dafür eine Rolle spielen. Viel Spaß – Euer Links-Lesen.de-Kollektiv.

KML-LogoFullscreen-LogoGeoRSS-Logo
Reiseliteratur Griechenland - Orte

Karte wird geladen - bitte warten...

Athen - Sofka Zinovieff: \'Athen, Paradiesstraße\': 37.861600, 23.754600
Gefängnisinsel Jaros - Aris Fioretos: \'Mary\': 39.391200, 24.166600
Athen / Kolonaki - Dimitris Koufodinas: \'Geboren am 17. November. Eine Geschichte der griechischen Stadtguerilla\': 37.977018, 23.740554
Athen / Polytechneio - Marlene Streeruwitz: \'Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland\': 37.988200, 23.729100
Chania - Iosif Alygizakis: \'Das Blau der Hyazinthe\': 35.512100, 24.019200
Peristeres Strand / Rodakino Kreta - Patrick Leigh Fermor: \'Die Entführung des Generals\': 35.182122, 24.298368
Agia Galini - Klaus Modick: \'Der kretische Gast\': 35.099200, 24.690600
Thessaloniki - Constantin Costa-Gavras: \'Z\': 40.640300, 22.935300
Agios Pandeleimon / AThen - Dimitris Psarras: \'Neofaschisten in Griechenland. Die Partei Chrysi Avgi\': 37.996509, 23.727186
Athen, Exarchea - „Wir sind ein Bild der Zukunft – auf der Straße schreiben wir Geschichte\': 37.977908, 23.732556
Athen / Exarchea - Laika-Verlag: \'Schrei im Dezember. Griechenland 2008 - ein erschossener Demonstrant \': 37.986371, 23.734642
Lesbos - Navid Kermani: \'Einbruch der Wirklichkeit. Auf dem Flüchtlingstreck durch Europa\': 39.106100, 26.553800
Idomeni - Najem Wali: \'Die Balkanroute\': 41.122100, 22.510900
Idmeni - Alkisti Alevropoulou Malli: \'Idomeni. Waiting for Home\': 41.127082, 22.522659
Athen - Nikos Chilas u. Wolf, Winfried Wolf: \'Die griechische Tragödie. Rebellion, Kapitulation, Ausverkauf\': 37.975056, 23.736305
Athen - Finanzministerium: Yanis Varoufakis: „Die ganze Geschichte. Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment“: 37.975385, 23.733456
Piräus - Christos Ikonomou: \' Warte nur, es passiert schon was. Erzählungen aus dem heutigen Griechenland\': 37.942167, 23.644466
Athen - Gerasimos Bekas: \'Alle Guten waren tot\': 37.955568, 23.703346
Insel Andros - Ioanna Karystiani: \'Die Frauen von Andros\': 37.837600, 24.937600
Kavala - Fotini Tsalikoglou: \'Die verlorene kleine Schwester\': 40.936900, 24.412300
Athen / Akropolis - Christos Chryssopoulos: \'Parthenon\': 37.971513, 23.726767
Kreta / Kato Zakros - Wanderführer \'The Cretan Way E 4\': 35.097500, 26.262800
Kreta / Samaria-Schlucht - \' Rother Wanderführer Kreta. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen\': 35.245058, 23.946762
Athen - Stadtführer: \'Die ausgegrabene Demokratie. Ein Gang durch Athen\': 37.971597, 23.724815
Athen - Literarischer Stadtführer: \'Athen. Eine literarische Einladung\': 37.956000, 23.703400
Athen - Petros Markaris: \' Quer durch Athen. Eine Reise von Piräus nach Kifisia\': 38.073704, 23.808360
Thessaloniki - \'Jüdische Orte in Thessaloniki. Ein historischer Rundgang\': 40.635184, 22.939630
Insel Korfu - Lawrence Durrell: \'Schwarze Oliven. Korfu - Insel der Phäaken\': 39.620499, 19.841309
Griechenland / Epirus-Gebirge - Christoph Schminck-Gustavus: \' Winter in Griechenland Krieg - Besatzung - Shoah. 1940-1944\': 39.678200, 20.819600
Lyngiades - Christoph Schminck-Gustavus: \' Feuerrauch. Die Vernichtung des griechischen Dorfes Lyngiádes am 3. Oktober 1943\': 39.690200, 20.890200
Distomo - Argyris Sfountouris: \'Ich bleibe immer der vierjährige Junge von damals\'. Das SS-Massaker von Distomo und der Kampf eines Überlebenden um Gerechtigkeit\': 38.428400, 22.667700
Kreta / Maleme - Ulrich Kadelbach: \'Schatten ohne Mann\': 35.523565, 23.848572
Distomo - Kaiti Manolopoulou: \'Juni ohne Ernte. Distomo 1944\': 38.424680, 22.668743
Thessaloniki - Nina Nachmia: \'Reina Gilberta. Ein Kind im Ghetto von Thessaloníki\': 40.632714, 22.942286
Griechenland / z.B. Kandanos - Chryssoula Kambas: \'Die Okkupation Griechenlands im Zweiten Weltkrieg. Griechische und deutsche Erinnerungskultur\': 35.327200, 23.742300
Kreta / Kandanos; Sougia: 35.249300, 23.811100
Megalokambos / Karlsruhe: Alexandros Stefanidis: \' Beim Griechen. Wie mein Vater in unserer Taverne Geschichte schrieb\': 41.112500, 23.995900
Athen - Petros Markaris: \'Abrechnung. Ein Fall für Kostas Charitos\': 37.956000, 23.703400
Athen / Exarchia - Hilda Papdimitriou: \'Für eine Handvoll Vinyl\': 37.986633, 23.734256
Athen / Griechenland - Wolfgang Schorlau: \'Der große Plan\': 37.998327, 23.678284
Ägäis - Jonas Becker: \'Der Inselmann\': 38.236023, 25.219116
Thessaloniki / Istanbul / London / Marseille - Orkun Ertener: \'Lebt\': 40.662410, 22.911987
Kalamata und andere Hafenstädte - Perikles Monioudis: \'Land\': 37.037800, 22.110900
Makrini - Vea Kaiser: \'Makarionissi oder Die Insel der Seligen\': 39.401800, 22.986300
Nafplion - Yannis Xanthoulis: \'Der Weihnachtstango\': 37.569700, 22.808100
In einer griechischen Taverne - Andreas Deffner: \' Das Kaffeeorakel von Hellas. Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland\': 38.246200, 21.735100
Ithaka - Daniel Mendelsohn: \' Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich\': 38.395600, 20.687600
Kalavryta oder andere \'Märtyrerdörfer\' - Karl-Heinz Roth u.a.: \' Reparationsschuld. Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa\': 38.031800, 22.109500
Kalavryta - Maria Stefanopoulou: \'Athos. Der Förster\': 38.029437, 22.113607

Unsere fünf liebsten Bücher:

Im Roman „Athen, Paradiesstraße“ von der Künstlerin und Journalistin Sofka Zinovieff wird die traumatische Zeit des griechischen Bürgerkriegs als politische Familiengeschichte in Athen erzählt – literarisch spannend und historisch ein guter Einstieg in die Zeit der deutschen Besatzung und der Partisanenkämpfe.
Der Aufstand der Studierendenbewegung im November 1973 gegen die Obristen-Diktatur bildet den historischen Horizont für Aris Fioretos Erzählung „Mary“ – die junge Protagonistin wird verhaftet und erlebt während der Verbannung auf die Gefängnisinsel Jaros Brutalität und Folter, aber auch Solidarität unter den gefangenen Frauen.
Die Autobiographie „Geboren am 17. November“ von Dimitris Koufodinas, der bei der Stadtguerrilla-Gruppe 17. November aktiv war und nun im Knast sitzt, haben wir hier ausführlich rezensiert.
Ein echtes historisches Schätzchen ist „Die Entführung des Generals“ – ein Kommando aus britischem Geheimdienst und griechischen Partisanen (Andarten) und Helfer*innen entführte 1944 den deutschen Besatzungsgeneral Kreipe aus Heraklion. Mit viel Mut, Dreistigkeit und viel Unterstützung der Bevölkerung gelang es, Kreipe in der kleinen Bucht Rodakino / Peristeres im Süden der Insel Kreta auf ein britisches U-Boot zu bringen – die deutschen Verfolger hatten das Nachsehen. Die Entführungsroute lässt sich heute erwandern.
In „Der kretische Gast“ ist die deutsche Besatzung auf Kreta der historische Hintergrund des Romans von Klaus Modick. Eine einfühlsame und gelungene Erzählung über eine brutale Zeit, in der die deutsche Wehrmacht mit brutaler Repression, die als ‚Vergeltung‘ getarnt wurde, gegen die Bevölkerung vorging. Deutsche Revisionisten feiern heute noch die Luftlandeoperation Merkur am Soldatenfriedhof in Maleme, zum Glück nicht immer ungestört durch griechische und deutsche Antifaschist*innen…

Fünf mal Politik: Widerstand und Aufstand in Griechenland:

Hier gibt’s den wichtigen Polit-Film „Z. Anatomie eines politischen Mordes“ von Costa-Gavras über die Obristen-Diktatur und einen Band über die neofaschistische Organisation und Partei ‚Goldene Morgenröte‘ (Chrysi Avgi) „Neofaschisten in Griechenland„, deren Mitglieder u.a. am Mord am linken Rapper Pavlos Fyssas in Piraeus beteiligt waren.
Zu den Aufständen, die in Athen im Dezember 2008 begannen gibt es Texte zur Revolte: „Wir sind ein Bild der Zukunft – auf der Straße schreiben wir Geschichte„. Das Buch enthält diverse Texte aus den Netzwerken der Protestierenden und viele Fotos.
Auch das ‚Mediabook‘ und der gleichnamige Film „Schrei im Dezember“ (Teil 3 der Bibliothek des Widerstands vom linken Hamburger Laika-Verlag) handelt vom im Dezember 2008 erschossenen Alexis – nach seiner Erschießung folgten tagelange riots in Athen, die von autonomen Gruppen und Aktivist*innen hier analysiert werden.
Aber auch eine Frauenperspektive auf griechische Demos haben wir für Euch, ein Buch über „Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland„, in der Marlene Streeruwitz‘ Protagonistin in eine Demo in Athen gerät und Polizeigewalt hautnah erfährt.

Bücher über die Flüchtlinsgroute, Migration und über Griechenland in der Wirtschaftskrise:

Griechenland lag und liegt auf der Balkanroute, die viele Geflüchtete oft zu Fuß entlangliefen. In „Einbruch der Wirklichkeit. Auf dem Flüchtlingstreck durch Europa“ begleitete Navid Kermani einen Teil der Geflüchteten-Trecks von der Insel Lesbos nach Deutschland.
Najem Wali bereist „Die Balkanroute“ in umgekehrter Richtung und erzählt von der bewegten Geschichte der Levante, in der sich seit jeher reicher kultureller Austausch mit blutigen Vertreibungen abwechselten. Die Balkanroute war vieles, nur geschlossen war sie nie, denn so wie Tragödien keine Grenzen kennen, lassen sich auch Träume über Zäune schmuggeln.
Der Bildband „Idomeni. Waiting for Home“ dokumentiert das tägliche Leben von Geflüchteten, die im griechisch-mazedonischen Grenzort Idomeni strandeten – eine Bilderserie über Menschen, die im Ausnahmezustand des Lagerlebens versuchen, Normalität aufrechtzuerhalten.
Eine viel ältere Geschichte der Migration bzw. Verbtreibung erzählt „Die letzten Byzantiner“ – Eine Spurensuche über die wenig bekannte Vertreibung der sogenannten Pontus-Griechen vom Schwarzen Meer im Zuge der Großmachtsphantasien vieler Nationalstaaten im 1. Weltkrieg.
Die griechische Tragödie. Rebellion, Kapitulation, Ausverkauf “ ist ein Sachbuch über die griechsche Krise, das Durchregieren der Troika und die Durchsetzung des EU- und IWF-diktierten Austeritätsprogramms. Aber auch historische Bezüge in den deutsch-griechischen Beziehungen kommen zur Sprache.
Da darf Yanis Varoufakis nicht fehlen, der in „Die ganze Geschichte. Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment“ über die Verhandlungen mit den Finanzminister*innen, EU- und IWF-Gremien plaudert; nicht ganz uneitel, aber lesenswert, weil es einige Hintergründe erhellt und er aus dem Nähkästchen plaudert.

Massaker und Kriegsverbrechen in Griechenland unter deutscher Besatzung: Älteres und z.T. vergriffenes aber wertvolles:

Winter in Griechenland. Krieg – Besatzung – Shoah. 1940-1944 “ – ein Standardwerk des auf deutsche Kriegsverbrechen spezialisierten Bremer Historikers Schminck-Gustavus, der in abgelegene Dörfer im nordgriechichen Epirus reiste, um Zeitzeugen aufzuspüren und zur Deutschen Besatzung, zu Widerstand und zur Deportation der Juden zu befragen. In „Feuerrauch. Die Vernichtung des griechischen Dorfes Lyngiádes am 3. Oktober 1943“ beschreibt derselbe Autor die als ‚Sühnemaßnahme‘ kaschierte Zerstörung des Bergdorfes Lyngiades und das Massaker an seinen Bewohner*innen – exekutiert durch Soldaten der Gebirgsdivision Edelweiß – die sich dafür bis heute auf dem Pfingsttreffen der Gebirsgjäger im bayrischen Mittenwald gegenseitig auf die Schulter klopfen…
Ein Bündnis hatte seit 2002 die dortigen Treffen des Kameradenkreises antifaschistisch begleitet – ein Buch darüber „Mörder unterm Edelweiß. Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger der Deutschen Wehrmacht“ ist noch beim Verlag Papyrossa erhältlich.
Ein linker Krimi dazu ist erst kürzlich im De Noantri-Verlag erschienen: „Hinterwald“ von Lissbeth Lutter – er spielt in der Gebirgsjägerkaserne Mittenwald; Buchbestellung und mehr Infos hier.

Mit „Ich bleibe immer der vierjährige Junge von damals“. Das SS-Massaker von Distomo und der Kampf eines Überlebenden um Gerechtigkeit“ hat der Überlebende Argyris Sfountouris eine bedrückende Schilderung des Massakers in Distomo sowie seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Auch die Autorin Kaiti Manolopoulou verlor beim brutalen Massaker der deutschen Wehrmacht in Distomo große Teile ihrer Verwandschaft und brauchte Jahrzehnte, bis sie darüber „Juni ohne Ernte. Distomo 1944“ schreiben konnte.
Schatten ohne Mann. Die deutsche Besetzung Kretas 1941-1945„, das direkt beim kleinen Balistier-Verlag zu haben ist, ist eine gelungene Darstellung der deutschen Besatzungszeit auf Kreta, die auch eine große Vorkenntnisse zugänglich ist: Die Begegnung mit Betroffenen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte werden vom Autor durch unveröffentlichte NS-Dokumente und bundesrepublikanische Gerichtsprotokolle zu einer tagebuchartigen Textcollage verknüpft.
Kann mensch guten Gewissens allen Kreta-Tourist*innen schenken.
Die Geschichte von „Reina Gilberta. Ein Kind im Ghetto von Thessaloníki„, aufgeschrieben von ihrer aus Thessaloniki stammenden Mutter, die die Deportation ins KZ überlebt hatte, ist leider nur noch antiquarisch erhältlich.
Im Tagungs-Band „Die Okkupation Griechenlands im Zweiten Weltkrieg“ wird die Asymmetrie der Vergangenheitsbewältigungen in Griechenland und Deutschland deutlich, indem den Erinnerungskulturen im öffentlichen Bewusstsein beider Länder in Literatur und Medien nachgespürt wird.
Als letztes an dieser Stelle möchten wir noch zwei Filme empfehlen: „Als die Deutschen vom Himmel fielen„, der bei der Regisseurin direkt bestellt werden kann und „The Balcony. Memories of Occupation„, der viele Zeitzeug*innen-Interviews über das Massaker in Lingiades verarbeitet.

Griechische Romane – zeitgenössisch und historisch:

Die Neuerscheinung „Athos. der Förster“ von Maria Stefanopoulou behandelt das Trauma des Überlebens und Erinnerns vor allem der Frauen in vielschichtiger Perspektive nach dem Massaker durch die deutsche Wehrmacht im kleinen Dorf Kalavryta.
Nah am griechischen aktuellen Alltagsleben ist der ‚Krisenroman‘: „Warte nur, es passiert schon etwas“ . Die Erzählungen von Christos Ikonomou spielen in Piräus, rund um den großen Hafen. Sie machen die Atmosphäre heute im Land spürbar, zeigen Menschen, die mit verschiedenen existenziellen Nöten zu kämpfen haben und irgendwie, und sei es durch Warten, damit umgehen. 
Aufschlussreich und anregend ist das Buch „Alle Guten waren tot“ : feinfühlig wie schonungslos wird die Geschichte des griechischen Widerstands während der deutschen Besatzung erzählt. Der vielschichtige Roman zeigt auch, wie die heutige Situation des Landes mit seiner Zerstörung durch die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs verbunden ist.
Die Protagonistinnen von „Die Frauen von Andros“ sind die häufig allein in den Dörfern und auf den Inseln zurückbleibenden Frauen einer Seefahrer-Nation. Der Roman der Karikaturistin und Drehbuchautorin Ioanna Karystiani, die als Teil der Studierendenaufstands gegen die Obristendiktatur aktiv war, ist vielleicht in Teilen etwas kitischig, aber auch ein Stück weit Emanzipationsgeschichte und war in Griechenland monatelang Bestseller.
Die Novelle „Die verlorene kleine Schwester“ ist ein aktuelles Werk über die Auswirkungen von Finanzkrise und Flüchtlingswelle, zutreffend zeitgenössisch und historisch eingeordnet in die Geschichte von Migration und Vertreibung, wie sie viele griechische Familien erlebt haben.
Im Roman „Parthenon“ wird das antike Symbol auf der Akropolis plötzlich zerstört – ein Gedankenspiel, das sich auf den surrealistischen Poeten und ‚Parthenon-Bomber‘ Yorgos V. Makris bezieht, dessen ‚Proclamation No. 1′, in der er zur Sprengung des Parthenon aufrief, 1944, kurz nach dem Ende der deutschen Besatzung veröffentlicht wurde. Makris war Mitglied der antinationalen „Union der ästhetischen Saboteure antiken Erbes“ – eine spannende intellektuelle Provokation, vor allem, wo der Widerstandskämpfer Manolis Glezos wenige Jahre zuvor die Hakenkreuzfahne vom Parthenon durch eine griechische ausgetauscht hatte…

Wandern und Reisen durch Griechenland:

Mit dem handlichen Wanderführer „The Cretan Way E 4“ im Gepäck kann Kreta auf dem gut markierten europäischen Wanderweg E4 in Ost-West-Richtung durchschritten werden, durchs ‚Tal der Toten‘ bei Kato Zakros, durch einsame Bergdörfer und spektakuläre Schluchten. Weitere Routen und Tagestouren auf der Mittelmeerinsel finden sich im „Rother Wanderführer Kreta„.
Wer eher an Städten interessiert ist, kann sich Athen mit „Die ausgegrabene Demokratie“ politisch-historisch und bezogen auf die aktuelle gesellschaftliche Lage erschließen, oder mit „Athen. Eine literarische Einladung“ kulturell-literarisch in die griechische Hauptstadt eintauchen.
Spaß macht eine Athen-Tour auch mit Petros Markaris, der mit „Quer durch Athen“ mehrere U-Bahn-Touren in oder durch verschiedene auch abseitige Stadtbezirke vorschlägt, die er sehr authentisch und lesenswert beschreibt.
Mit „Jüdische Orte in Thessaloniki. Ein historischer Rundgang“ geht’s durch eine multikulturelle Stadt, deren Alltag durch die Koexistenz von Christ*innen, Muslim*innen und Jüd*innen geprägt war – bis die Deutschen, nachdem sie die jüdische Gemeinde erst finanziell massiv ausgeplündert hatten – fast alle thessalonischen Juden ins KZ Auschwitz deportierten.
Die Insel Korfu im östlichen Mittelmeeres wird mit ihrer Geschichte und dem Alltag ihrer Bewohner*innen in „Schwarze Oliven“ geschildert.

Erzählungen und Krimis aus und über Griechenland:

Beim Griechen. Wie mein Vater in unserer Taverne Geschichte schrieb“ ist ein aufschlussreiches Buch, das flott und trotzdem hintergründig über griechische ‚Gastarbeiter*innen‘-Kultur und Einwanderungsgeschichte nach Deutschland in den 70ern erzählt, zwar vor allem aus männlicher Sichtweise, aber auf jeden Fall lesenswert.
Ein klassischer griechischer Krimiautor ist Petros Markaris: in „Abrechnung“ hat die Krise Athen hart getroffen, Kommissar Kostas Charitos, der in seiner Freizeit am liebsten Lexika liest, muss in Griechenlands jüngster Vergangenheit, bei den Studierenden-Aufständen gegen die Militärdiktatur der Obristen schürfen, um den aktuellen Fall zu lösen.
Ein Krimi, der im Athener linken Stadtviertel Exarcheia spielt ist „Für eine Handvoll Vinyl“ – es geht um Musik, das Leben im Viertel, geschrieben in der Tradition der ‚Noir-Krimis‘ von der Tochter eines Plattenladen-Besitzers – vielleicht hat Virginie Despentes hier eine Vorlage für ihre Vernon Subutex-Romane gefunden??
Wer Wolfgang Schorlau gern mag und dabei immer mitbedenkt, dass nicht alles faktenbasiert ist, was er in seinen Krimis verarbeitet, für den/diejenige ist „Der große Plan“ eine passende literarische Adaption der griechischen Krise, der Troika-Politik und sogenannten ‚Euro-Rettung‘.
Auf einer fiktiven Insel in der Ägäis spielt „Der Inselmann“ – das Leben in der Dorftaverne mit allen Geschichten über die großen und kleinen Fragen des Lebens, des Allein-Seins und der Freundschaften wird hier zum Soziotop, von wo aus die Hauptfigur nach der Auswanderung aus Deutschland einen Neubeginn wagen kann.
Im Roman „Das Blau der Hyazinthe“ versucht ein Privatlehrer in der kretischen Hafenstadt Chania seine Homosexualität zu verbergen.
Bei „Lebt“ handelt es sich nur auf den ersten Blick um einen Thriller; der Ausgangspunkt der dahinterliegenden Geschichte liegt in einem unbekannten Kapitel der griechisch-jüdisch-chassidischen Geschichte im 17. Jahrhundert. Die Recherche auf der Spur des Familiengoldes führt von Thessaloniki über Istanbul, Berlin, London bis nach Marseille.

Noch mehr Romane aus Griechenland:

Anhand eines alten gefundenen Backbuchs begibt sich in „Land“ ein junger Mann auf die Suche nach seiner Familiengeschichte – die Vorfahren waren eine Zuckerbäckerfamilie, die es über Alexandria in die Schweiz verschlagen hat. Seine Odyssee führt den Erzähler durch viele Hafenstädte des Mittelmeerraums; langsam erzählt, wunderschön zu lesen.
Auch „Makarionissi“ behandelt das Thema einer griechischen Großfamilie, deren Mitglieder es aus dem kleinen Bergdorf in viele andere Länder verschlagen hat. Beschrieben wird dies mit viel Komik und Sinn für kleine Details.
Der Weihnachtstango“ spielt während der Junta-Zeit im Jahr 1970 – eine kritische Studie über Homosexualität, Anpassung, Widerstand und Alltag in einer militaristisch geprägten Gesellschaft.
Der Begriff ‚Krisenroman‘ ist für „Das Kaffeeorakel von Hellas“ fast zu schwermütig: hier geht’s um das gemütliche Sitzen im „kafeníon“ – dem traditionellen Kaffeehaus, in dem es neben allem Politisieren über die Krise immer auch um Geschichten, Gastfreundschaft und Rezepte geht.
In „Eine Odysse. Mein Vater, ein Epos und ich“ begeben sich ein Vater und sein Sohn, die sich kaum etwas zu sagen haben auf See und folgen auf der historischen Schiffsroute den Spuren des homerischen Epos – und überwinden dabei ihr gegenseitiges Schweigen.
Ganz am Ende möchten wir mit „Reparationsschuld. Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa“ nocheinmal auf die noch immer offenen Wunden hinweisen und vor allem die offenen Zahlungen thematisieren, die Deutschland Griechenland schuldet.

One Comment